Rentner auch betroffen
Energiepreise steigen immer weiter: Experte kennt wichtigen Trick bei Nachzahlungen
Hunderttausende Rentner in NRW haben oft weniger als 400 Euro übrig. Eine Nachzahlung kann sie existenziell treffen. Verbraucherschützer Kolja Ofenhammer verrät, was Sie dann tun können.
Ralf Scharnowski hat seinen Kühlschrank abgeschaltet. Das Ergebnis: 310 Euro Guthaben auf der nächsten Stromrechnung. Es klingt fast wie ein Trick, den der 68-Jährige aus Dortmund-Wickede da anwendet. In Wirklichkeit geht es bei ihm finanziell gar nicht anders – wie bei so vielen anderen Rentnern in NRW auch.
Scharnowski ist kein Einzelfall. In NRW können knapp 200.000 Rentnerinnen und Rentner nach Abzug aller Fixkosten oft weniger als 400 Euro im Monat frei verfügen. Eine Energienachzahlung von mehreren Hundert Euro trifft sie existenziell. Kolja Ofenhammer von der Verbraucherzentrale NRW weiß, was dann zu tun ist – und was viele falsch machen.
1. Ruhe bewahren – Sie sind nicht schutzlos
„Sofern man in der Grundversorgung ist, hat man ein Recht auf eine Ratenzahlungsvereinbarung, bevor gesperrt werden kann“, sagt Verbraucherschützer Ofenhammer im Gespräch mit wa.de. Niemand muss also sofort die volle Summe zahlen. Dieses Recht sollte man sofort geltend machen – am besten schriftlich beim Energieversorger.
2. Heizkosten: Sofort zum Sozialamt
Wer Grundsicherung im Alter bezieht oder Anspruch darauf hat, kann hohe Heizkostennachzahlungen vom Sozialamt erstatten lassen. Ofenhammer ist klar: „Heizkosten müssen, sofern sie angemessen sind, vom Sozialamt übernommen werden.“ Das ist ein Rechtsanspruch, kein Gnadenakt. Wichtig: nicht warten, sofort Antrag stellen.
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3. Stromschulden: Darlehen beantragen
Bei Strom ist die Lage schwieriger. „Bei Stromschulden ist es häufig noch schwieriger eine Regelung zu finden, als bei Heizkosten“, so Ofenhammer. Möglich ist ein Darlehen beim Sozialamt. Lokale Wohlfahrtsverbände haben vereinzelt noch Härtefallfonds – es lohnt sich, dort nachzufragen.
4. Zählerstand selbst ablesen und melden
Viele hohe Nachzahlungen entstehen nicht durch gestiegene Preise allein. Ofenhammer nennt eine häufige Ursache: „Der Verbrauch wurde über mehrere Jahre nur geschätzt und nicht selbst abgelesen.“ Wer seinen Zählerstand nicht regelmäßig meldet, bekommt am Ende die gesammelte Differenz auf einmal präsentiert. Abhilfe: Zählerstand jetzt ablesen, fotografieren, melden – und das künftig regelmäßig tun.
5. Kostenlose Beratung holen
Die Verbraucherzentrale NRW bietet kostenlose Energieberatung an – auch zu Nachzahlungen und drohenden Sperren. Ofenhammer und seine Kollegen sind genau dafür da. Wer sich schämt, kann auch anonym anrufen. Scham ist verständlich, aber kein guter Ratgeber: Wer zu lange wartet, verliert Optionen.
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