Frauen für Rassismus „instrumentalisiert“
Merz hält an Stadtbild-Aussage fest – jetzt sprechen die Töchter
Kanzler Merz verteidigt seine „Stadtbild“-Aussage und verweist auf „Töchter“. Viele von ihnen wollen nicht für die Argumentation des CDU-Chefs herangezogen werden.
Berlin – Kanzler Friedrich Merz (CDU) war sich keiner Schuld bewusst, als er seine „Stadtbild“-Aussage am Montag (20. Oktober) noch einmal unterstrich: „Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte. Ich vermute, Sie kriegen eine ziemlich klare und deutliche Antwort. Ich habe gar nichts zurückzunehmen.“ Damit drehte er die Debatte, die er eventuell hatte eindämmen wollen, eine Runde weiter.
Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek etwa warf Merz daraufhin vor, Frauen für „blanken Rassismus“ zu instrumentalisieren: „Wenn Frauen nachts allein nach Hause laufen, haben sie keine Angst vor Migranten, sie haben Angst vor Männern. Das Problem ist eine gewalttätige und grenzüberschreitende Männlichkeit“, erklärte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der gefährlichste Ort für Frauen sei ihr eigenes Zuhause. Ginge es Merz um den Schutz von Frauen vor Gewalt, müsste er die Finanzierung von Frauenhäusern und Beratungsstellen sichern und in Gewaltprävention investieren.
Grüne Lang: Töchter sollen „rückwärtsgewandte Politik“ von Kanzler Merz rechtfertigen
Und Grünen-Politikerin Ricarda Lang postete auf X: „Vielleicht haben ‚die Töchter‘ auch keinen Bock mehr darauf, dass ihre Rechte und ihre Sicherheit für Friedrich Merz immer genau dann von Bedeutung sind, wenn er sie nutzen kann, um seine vollkommen rückwärtsgewandte Politik zu rechtfertigen?“ Dafür erhielt sie mehr als 8000 Likes, wobei viele Mütter und Töchter ihre Sicht einbrachten. „Ob die Töchter nach Abschaffung von § 218 StGB gefragt werden? Oder ist das dann wieder reiner Männersache?“, fragte eine Nutzerin. Eine andere erklärte: „Meine Tochter fühlt sich regelmäßig unsicher und gefährdet auf der Straße. Laut ihrer Aussage liegt das aber an den vielen Autos.“
Klimaaktivistin Luisa Neubauer und die Publizistin Carolin Emcke riefen als Reaktion zu einer Kundgebung vor der CDU-Parteizentrale in Berlin auf. Neben dem Motto „Wir sind die Töchter“ hieß es in dem Demo-Aufruf, die Sicherheit von Frauen dürfe „nicht für populistische Aussagen instrumentalisiert werden“. Nach Polizeiangaben kamen rund 2000 Menschen zur „Feministischen Kundgebung“; die Veranstalterinnen sprachen von 7500 Teilnehmenden. Mit dabei waren auch die Grünen-Co-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge sowie Ricarda Lang. Heute soll es eine Demo in Kiel geben, die von Fridays for Future organisiert wird.
Friedrich Merz: Bierdeckel, Blackrock und schließlich Bundeskanzler




Kanzler Friedrich Merz (CDU) wird wegen Stadtbild-Aussage von vielen Seiten kritisiert
Aufhänger waren diese Worte von Kanzler Merz: „Wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen.“ Hintergrund: Er war nach einer Strategie im Umgang mit der AfD gefragt worden. Merz legte mit seiner Formulierung nahe, dass man sogenannte „Illegale“ in den Städten anhand von Äußerlichkeiten erkennen könne. Viele migrantisch gelesenen Menschen fühlen sich von solcherlei Zuordnungen diskriminiert. (Quellen: dpa, eigene Recherche) (ktho)
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