Kastrationspflicht als Lösung

Unkastrierte Katzen sind ein Problem – „Wir mögen uns deren Leid nicht vorstellen“

In Deutschland gibt es Millionen Streunerkatzen. Weil die Tiere oft unkastriert sind, vermehren sie sich immer weiter. Tierschützer fordern eine Kastrationspflicht – überall.

Hamm - „Wie, wir haben hier Streuner?“ – diese Frage konnte sich Sandra Grewe von der Hilfe für Straßenkatzen Hamm e.V. anhören, als sie an einem Infostand über die Situation der Streunerkatzen in Hamm informierte. Die Tierschützerin ist der Meinung, dass sich viele Menschen keine Gedanken darüber machen, wie viele Katzen auf der Straße leben. In Hamm soll es alleine mehr als 10.000 Streunerkatzen geben. Seit der Corona-Pandemie ist die Zahl nochmal gestiegen. Was dies verhindern kann: eine Kastration.

Unkastrierte Katzen sind ein Problem – „mögen uns deren Leid nicht vorstellen“

„Es gibt eine Kastrationspflicht in Hamm und Soest, genau wie auch eine Chippflicht, aber die Leute halten sich nicht daran“, erzählt Grewe im Gespräch mit wa.de. „Wenn ein nicht kastrierter Kater herausgeht und Streunerkatzen deckt, gibt es angeblich eine Strafe“, so Grewe. Dabei sei ein Ordnungsgeld für die Halter des unkastrierten Tieres geplant. Jedoch geht diese Pflicht auch mit mehreren Problemen einher. „Wer kontrolliert so etwas zum Beispiel?“, fragt sich Grewe.

Unkastrierte Katzen vermehren sich immer weiter. Tierschützer sehen das als Problem. (Symbolbild)

Die Tierschützerin ist der Meinung, dass das Ordnungsamt so etwas streng kontrollieren müsste. Außerdem könne ein Tierarzt ja, wenn ein unkastriertes Tier in der Praxis ist, eine Meldung machen, so Grewe. „Nicht alle unkastrierten Tiere sind natürlich Freigänger“, erzählt Grewe. Aber es wär ein erster Schritt. Und die Tierschützerin merkt an, dass eine Kastration für Katzen grundsätzlich - auch wenn sie nicht unbedingt draußen sind - besser sei. „Unkastrierte Katzen bekommen schneller Gebärmutterentzündungen“, sagt Grewe. Unkastrierte Kater hingegen sollen schnell überall hin pinkeln.

Verordnung zum Schutz freilebender Katzen im Gebiet der Stadt Hamm

In seiner Sitzung am 15. Dezember 2020 wurde vom Rat der Stadt Hamm eine Verordnung beschlossen. Zum einen heißt es, dass „die Haltungsperson sicherzustellen hat, dass fortpflanzungsfähige Katzen, die im Gebiet der Stadt Hamm gehalten werden, keinen freien Auslauf haben.“ Außerdem sollen die Kosten der Kennzeichnung und Registrierung von Freigängerkatzen nach Paragraf 5 Absatz 3 Satz 1 sowie der Kastration nach Paragraf 5 Absatz 3 Satz 2 von der Haltungsperson getragen werden. „Im Übrigen trägt die Kosten derjenige, der die Durchführung der kostenpflichtigen Maßnahme in Auftrag gibt“, heißt es weiter.

 Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen 

1. Paragraf 3 Abs. 1 eine Freigängerkatze nicht eindeutig oder dauerhaft durch Mikrochip kennzeichnet,

2. Paragraf 3 Abs. 1 eine Freigängerkatze nicht gemäß Paragraf 3 Abs. 2 registrieren lässt oder

3. Paragraf 4 nicht sicherstellt, dass fortpflanzungsfähige Katzen keinen freien Auslauf haben.

„Ordnungswidrigkeiten können mit Geldbußen bis zu je 1.000,- Euro geahndet werden“, heißt es in der Verordnung.

Gestiegene Tierarztkosten: Kastration mittlerweile teurer geworden

Doch viele Haustierbesitzer lassen ihre Katzen und Kater nicht kastrieren. Die Tierschützerin hat eine Vermutung, wieso das so ist: gestiegene Tierarztkosten. Denn früher mussten Besitzer 80 bis 100 Euro für eine Kastration zahlen. „Heute kostet ein Kater 150 und eine Katze 200 Euro. Viele Leute können das nicht bezahlen“, erklärt Grewe. Von der Stadt werde der Verein nicht unterstützt, obwohl die Tierschützerin das Leid der Streunerkatzen als städtisches Problem sieht.

Auch Heike Süßmilch von den Aaseepfoten in Münster sieht die vielen Streunerkatzen als Problem. „Unkastriert können Katzen zwei bis dreimal im Jahr gebären. Wenn ihre Kitten nicht frühzeitig an Unterernährung oder Krankheiten versterben, werfen diese später auch entsprechend viele Junge“, so Süßmilch auf Anfrage der Redaktion. Somit steige die Population der Streunerkatzen Jahr für Jahr. „Wir mögen uns deren Leid nicht wirklich vorstellen“, ergänzt Süßmilch.

Einige Städte bereits auf dem Vormarsch zur Kastrationspflicht

Aber auch Katzen, die ein Zuhause haben, seien häufig nicht kastriert. Sie ziehen als Freigänger durch die Straßen und sorgen ebenfalls für die steigende Population an Kitten. „Die Besitzer sind häufig nicht bereit, das Geld für eine Kastration auszugeben, sind uninformiert oder desinteressiert. Hier sind einige Städte und Bundesländer bereits auf dem Vormarsch zur Kastrationspflicht“, ergänzt Süßmilch. In Münster hingegen lasse die Kastrationspflicht jedoch noch auf sich warten. Das Resultat: Tierheime und Pflegestellen sind brechend voll.

Immer wieder werden Katzen ausgesetzt. Aufmerksame Menschen fanden Anfang des Jahres in Unna auf einem Feldweg einen zugeklebten Karton. Darin befand sich eine verängstigte Katze. Die Katzenmilch war schon eingefroren. Doch für die Katze gab es noch ein Happy End.

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska/dpa

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