Hilfe für heimatlose Katzen
Halb verhungert und verwahrlost: Mehr als 10.000 Streuner in Hamm
Mehr als 10.000 Katzen streunen verwahrlost durch Hamm. Seit der Corona-Pandemie ist die Zahl nochmal gestiegen. Der Verein „Hilfe für Straßenkatzen“ versucht zu helfen.
Hamm – Ungewollt, zurückgelassen oder von ihren Besitzern am Wegesrand entsorgt: Das ist das Schicksal vieler Tausend Hauskatzen in Hamm. Sie vermehren sich stetig weiter – und werden so zu einem echten Problem. Der Verein Hilfe für Straßenkatzen kümmert sich seit seiner Gründung 2008 um die verlassenen Stubentiger.
Halb verhungert und verwahrlost: Mehr als 10.000 Streuner in Hamm
Dazu haben die rund 25 Mitglieder des Vereins in den Hammer Stadtbezirken Futterstellen installiert, an denen die nicht zähmbaren Vierbeiner mit artgerechtem Futter und genügend Wasser versorgt werden. „Wir stellen so viele Tiere sicher wie möglich. Bei den Jungkatzen gelingt uns das gut. Sie werden entwurmt, kastriert und im Anschluss an liebevolle Familien vermittelt“, sagt Vereinsmitglied Daniela Niggemann.
Ältere Katzen seien hingegen nicht so leicht zu domestizieren. Nach ihrer Kastration werden sie an den Futterstellen wieder ausgesetzt. Seit der Corona-Pandemie sei die Zahl der Streuner in Hamm und Umgebung deutlich in die Höhe geschossen. Die derzeitigen Preissteigerungen verschlimmern die Lage zusätzlich.
Auch dem Verein, der sich rein über Spenden finanziert, machen die hohen Kosten zu schaffen. „Die Kastration einer Katze kostet rund 200 Euro. Leider geht die Spendenbereitschaft der Menschen aktuell zurück“, bedauert Niggemann. Viele Tierbesitzer könnten die horrenden Tierarztgebühren nicht mehr bezahlen.
Streuner in Hamm: Ungechippt und unkastriert
Das sorgt dafür, dass noch mehr nicht-gechippte, unkastrierte Katzen draußen herumlaufen. Nach Angaben des Vereins leben derzeit mehr als 10 000 heimatlose Katzen im gesamten Stadtgebiet. Inzwischen würden vermehrt auch teure Rassekatzen als Streuner enden.
Erst Anfang vergangener Woche seien Vereinsmitglieder über den Fund einer ganzen Katzenfamilie in einem Außenbezirk benachrichtigt worden. „Eine Katze, ein Kater und fünf erst rund drei Wochen alte Kitten wurden entdeckt“, sagt Niggemann. Leider sei der Korb bei der Bergung der Tiere zerbrochen, sodass der Kater entkommen konnte.
Es passiere oft, dass Katzen in kaputten Körben oder Kartons einfach ins Gebüsch geworfen werden. Gleichzeitig bedeutet das einen enormen Aufwand für den Verein, denn nicht jede Katze lässt sich ein zweites Mal fangen. Um eine sogenannte „Fangjagd“ mit einer Lebendfalle durchzuführen, bedarf es außerdem einer jagdlichen Ausbildung, die nur zwei der Vereinsmitglieder absolviert haben.
Streunende Katzen: Ordnungsamt ist zuständig
Zuständig für kranke und hungernde Streuner ist eigentlich die Kommune. Denn rechtlich gesehen ist das Füttern der Tiere eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Der Verein stehe deshalb in stetigem Kontakt mit dem Ordnungsamt und weiteren Tierschutzvereinen, um sich aktiv für die Einführung engmaschiger Kontrollen der in Hamm für alle Katzen bestehenden Kastrationspflicht einzusetzen.
Der Verein
1. Vorsitzende: Sandra Grewe-Arnold
2. Vorsitzender: Andreas Niggemann
Kassenwart: Herbert Höptner
Schriftführerin: Katrin Dobel
Revisoren: Bianka Blackwell, Angie Merker
Wer den Verein „Hilfe für Straßenkatzen“ durch aktive Mithilfe unterstützen möchte, kann sich bei Gründer Herbert Höptner unter der Handynummer 0175/4438111 oder auf der Facebookseite melden. Spenden sind zudem möglich über das offizielle Spendenkonto mit der IBAN DE41 4105 0095 0003 1095 43 oder per Paypal an @hfsh2008.
Seit Ende 2023 beschäftigt den Verein zusätzlich ein akuter Inzuchtfall. „Das ist ein großes Problem in der Stadt, denn Katzen vermehren sich innerhalb ihrer Familien weiter, wenn sie nicht getrennt werden. Viele von ihnen sind nicht lebensfähig, haben Behinderungen, Herzkrankheiten oder andere organische Schäden“, sagt Niggemann.
Katzen: Frühjahr ist die Zeit der Geburten
Das Frühjahr ist auch die Zeit der meisten Geburten. Das bringt den Verein zusehends in Schwierigkeiten: „Wir brauchen ganz dringend neue Pflegestellen. Die nächste Kittenwelle kommt, aber wir sind überfüllt“, bedauert sie.
Für die Mitglieder des Vereins ist ihre Arbeit eine Herzensangelegenheit. „Jedes Tier, das wir aufnehmen, gesund pflegen oder per Flasche großziehen, nimmt einen besonderen Platz in unseren Herzen ein. Die Zeit, die wir beispielsweise mit Kitten oder trächtigen Katzen verbringen, ist über viele Wochen oft sehr intensiv“, sagt Daniela Niggemann.
Der herzzerreißende Fall von Kater Chillie in Hamm endet glücklich. Auch dank eines Social-Media-Posts der Polizei fand er schnell ein liebevolles Zuhause. Viele Fundtiere, viele Beschlagnahmungen und viele traurige Tierschicksale erlebten auch Katja Skriginski und ihr Team vom Tierasyl Hamm im vergangenen Jahr.
