Ausbildung für deutschen Arbeitsmarkt
Azubis aus Vietnam: „Kasabar“ in Hamm geht besonderen Weg
In Hamm ebnen ein Unternehmer und ein Neu-Gastronom jungen vietnamesischen Landsleuten Weg in den deutschen Arbeitsmarkt. Ein besonderes Zeichen in Zeiten von Fachkräftemangel und fehlenden Azubis.
Hamm – Der Fachkräfte- und Azubi-Mangel ist Dauerthema durch fast alle Berufssparten. Das betrifft unter anderem die Gastronomie, aber auch andere Bereiche. Le Khanh Nguyen, Betreiber der „Kasabar“ an der Oststraße in Hamm, will einen kleinen Beitrag dazu leisten, Fachkräfte auszubilden. Interessierten Menschen aus seinem Heimatland Vietnam ermöglicht er seit 2017 den Schritt zu einem Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis in Deutschland.
So macht er es auch in dem noch jungen „Hardy’s“-Nachfolger an der Oststraße. Drei Auszubildende aus Vietnam haben er und sein Geschäftspartner Canh Sang Nguyen dort eingestellt.
Das Unternehmensmodell, das dahinter steckt, ist aber viel älter als die noch junge Gastronomie in Hamm. Bereits 2017 hat Le Khanh Nguyen in Hannover „KaTa“ Beratung und Services gegründet. „Hauptzweck des Unternehmens ist die Vermittlung von Vietnamesen als Fachkräfte und Auszubildende in deutsche Unternehmen“, heißt es auf der Homepage. 2023 werden bis Jahresende es laut Nguyen zwischen 15 und 20 Personen sein, darunter auch die drei Azubi in der „Kasabar“.
„Hamm hat gute Größe für so ein Restaurant-Vorhaben“
Dass Hamm und Hannover und der Doppel-Unternehmer an der Oststraße zusammentreffen, sei eher ein Zufall, sagt er. Der Einstieg in die Gastronomie sei ein „Start-up“ und über private Verbindungen nach Hamm zustande gekommen. Eigentlich sei er ja fachfremd, aber Hamm habe eine gute Größe für solch ein Restaurant-Vorhaben.
2017 entschloss sich Nguyen, nach einem Elektrotechnik-Studium in Hannover angesichts seiner guten Vernetzung im Heimatland in die Vermittlung von Fachkräften und Azubis einzusteigen. Gastro, Pflege, Bau, Elektro, Böden, Bäckerei, Informatik, Küche: Das sind Bereiche, in die er vermittle, sagt Nguyen. Und zwar seriös mit Sprachschule vorab, Visum, Wohnen, Kulturkursen, Fortbildungen und einer dauerhaften Betreuung.
„Komplett von A bis Z“, sagt Nguyen. „Besonders wichtig, damit eine Ausbildung gelingen kann, ist die Sprache. Sonst ist die Berufsschule nicht zu schaffen. Dafür brauchen wir Zeit.“ In Vietnam arbeite er mit Sprachschulen zusammen, um das nötige Fundament zu legen. Gegebenenfalls müssten Kenntnisse in Deutschland vertieft werden.
Verstärkter Kontakt zu Handels- und Handwerkskammer
Um – abgesehen von der Intelligenz – die Berufsschule zu schaffen, sei ein B2-Zertifikat Voraussetzung, sagt ein IHK-Sprecher. Um diesen Abschluss zu erwerben, könnte theoretisch ein späterer Ausbildungsbeginn vereinbart werden. Voraussetzung: Betriebe ließen sich darauf ein. Darauf hofft Nguyen, denn er will seine Landsleute zu besten Bedingungen in den Arbeitsmarkt schicken.
Verstärkt will er Kontakt zur Handels- und Handwerkskammer suchen, um auf sein Modell aufmerksam zu machen. Davon haben sollen alle etwas: Die Azubi mit einer guten Ausbildung und besseren Verdienstaussichten als in der Heimat, die Betriebe durch Fachpersonal und er selbst durch erfolgreiche Vermittlung. Denn damit verdient Nguyen sein Geld: In Deutschland zahlen die Unternehmen eine Provision nach sechsmonatiger Probezeit, in Vietnam die Teilnehmer der Sprachschule.
In einem Pilotprojekt in Hamm werden Schulabsolventen aus Vietnam auch zu Pflegefachkräften ausgebildet. Das soll dazu beitragen, den Fachkräftemangel in der Pflege zu beheben.