Tierheim braucht Hilfe
Tierschützer in Not wegen Katzenseuche: „Wissen nicht mehr, wie wir das stemmen sollen“
Im Tierheim Coesfeld wütet ein gefährliches Virus. Es endet für Katzen häufig tödlich. Viele Tiere sind dort bereits gestorben. Eine Mitarbeiterin gibt sich trotzdem zuversichtlich.
Coesfeld – Einen Alltag, ein bisschen „wie aus einem Science-Fiction-Film“, haben die Mitarbeitenden im Tierheim Coesfeld. Auf der Katzen-Quarantänestation laufen sie in Schutzanzügen, mit Atemschutzmasken und Desinfektionssprüher herum. Der Grund dafür ist „bitterernst“, schreiben die Tierschützer auf Facebook.
Denn im Tierheim Coesfeld ist das feline Parvovirus ausgebrochen, ein gefährliches Katzenvirus, das im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Die Symptome variieren stark, laut der Tierarzt-Website anicura.de sind das unter anderem Durchfall, Apathie und Fieber, auch Blut im Kot und Blutvergiftungen können auftreten. Außerdem ist der Flüssigkeitsverlust durch den Durchfall oft enorm. Das Virus ist zudem sehr resistent und hochansteckend. Das Tierheim schreibt, die Viruserkrankung verlaufe „für ungeimpfte Katzen fast immer tödlich“.
Tierheim Coesfeld: „Wir haben 32 Katzen verloren“
Auch im Tierheim Coesfeld sind Katzen an dem Ausbruch der Viruserkrankung gestorben. „Wir haben 32 Tiere verloren“, sagt Sandra Kassenböhmer, Medienwartin des Tierheims im Gespräch mit wa.de. Zum Teil sei das innerhalb weniger Tage passiert, „zwei Tage vorher ging es manchen noch gut“, sagt sie. „Aber wir befinden uns in der Endphase“, erzählt Kassenböhmer erleichtert. Seit einigen Tagen schon sei keine Katze mehr gestorben. Doch „die Tiere, die die Infektion überlebt haben, haben noch einen langen Genesungsweg vor sich“, heißt es auf Facebook.
110 Katzen waren es im Tierheim, bevor der finale Aufnahmestopp kam. Nur noch im äußersten Notfall nahm das Tierheim noch Katzen auf. Und auch die Vermittlungen wurden eingestellt. Das bedeutete Einnahme-Einbußen, dazu hohe Kosten durch die Behandlung der Katzen: Desinfektion, Schutzanzüge, Folgekosten für erkrankte Tiere – die Situation ist angespannt im Tierheim Coesfeld. „Und wir leben so schon von der Hand in den Mund“, sagt Kassenböhmer. Spenden sind da eine große Hilfe.
Das Tierheim appelliert außerdem an alle Menschen mit Katzen, ihre Tiere zu impfen. Denn es gibt eine Impfung gegen das Parvovirus, die nicht nur das eigene Tier schützt, sondern gerade bei Freigänger-Katzen auch andere Tiere. „Wir bitten alle Besitzer dringend, die Impfpässe ihrer Tiere zu überprüfen und gegebenenfalls den Impfschutz gegen Parvovirose beim Tierarzt auffrischen lassen“, heißt es auf der Website. „Eine vollständige und rechtzeitige RCP-Impfung ist der wirksamste Schutz gegen diese für Katzen lebensbedrohliche Erkrankung.“
Kassenböhmer erzählt, dass es im Tierheim Coesfeld schon einmal eine Parvovirus-Welle gab. Damals starben 70 Prozent der Katzen. „So eine Welle kommt immer mal wieder“, sagt die Medienwartin. Für dieses Mal ist es offenbar geschafft. Ab der kommenden Woche sollen nach und nach alle Katzen in der Vermittlung durchgetestet werden. Wenn sie negativ sind, können wieder Tiere vermittelt werden.
Tierheim will vorsichtig wieder für Aufnahmen und Vermittlungen öffnen
Danach sind die Tiere auf der Quarantänestation dran. „Wir werden langsam, vorsichtig wieder öffnen“, sagt Kassenböhmer zuversichtlich. Sollten noch mal infizierte Tiere ankommen, würden diese in ein eigenes Zimmer auf der Quarantänestation kommen. Und die Tierschützer wissen ja jetzt ganz genau, wie sie mit dem Virus umgehen müssen. Sehr viele Tiere konnten sie schließlich retten.
Ein anderes Tierheim in NRW wird überschwemmt von alten Tieren. Die Zahl abgegebener Tiere steigt – nicht nur dort – kontinuierlich. Viele Alte sterben schließlich auch im Tierheim.
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