Zwischen Zeche und Radweg

Das Herz des Ruhrgebiets ist Röhlinghausen – was es dort zu entdecken gibt

Der geografische Mittelpunkt des Ruhrgebiets liegt in einem Stadtteil von Herne. Röhlinghausen ist nicht besonders groß. Trotzdem gibt es dort etwas zu entdecken.

Röhlinghausen – Das Herz des Ruhrgebiets liegt an der Rolandstraße 49. Rundherum stehen Häuser mit Gärten. Röhlinghausen gilt geografisch als das Zentrum des Ruhrgebiets, ist ein Stadtteil von Herne (NRW) und liegt im Stadtbezirk Eickel. Was hat der kleine Ort zu bieten?

Röhlinghausen: Das Zentrum des Ruhrgebiets ist an einen besonderen Radweg angebunden

Der Stadtteil liegt im südlichsten Zipfel von Herne, direkt neben dem Stadtbezirk Eickel und Wanne-Süd, an der Grenze zu Gelsenkirchen. Wie eine statistische Erhebung der Stadt Herne, wo es demnächst eine Seilbahn als Teil des ÖPNV geben soll, aus dem Jahr 2019 zeigt, lebten in dem Stadtbezirk zu diesem Zeitpunkt rund 4.700 Menschen, darunter etwas mehr Frauen als Männer. Die Fläche von Röhlinghausen beträgt demnach 0,8 Quadratkilometer. Damit ist das Herz des Ruhrgebietes nicht besonders groß. Zum Vergleich: Das sind etwa 112 Fußballfelder.

Der geografische Mittelpunkt des Ruhrgebiets liegt an der Rolandstraße 49 in Röhlinghausen.

Wie Dr. Alexander Christian vom Stadtmarketing Herne gegenüber wa.de mitteilt, hat Röhlinghausen eine gute Lage. „Der Stadtteil ist an die Erzbahntrasse angebunden, eine der wichtigsten Bahntrassenradwege des Ruhrgebiets“, sagt Christian. Tatsächlich führt der Radweg auf rund 12 Kilometern einmal quer durchs Ruhrgebiet von der Grimberger Sichel, einer besonderen Brücke in Gelsenkirchen, nach Süden an mehreren ehemaligen Zechen vorbei bis nach Röhlinghausen. Unterwegs gibt es immer wieder die Möglichkeit abzubiegen und Ausflugsziele zu besuchen, darunter etwa die Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen, eine brennende Halde. Vom Aussichtsturm an der Halde Pluto gibt es zudem einen guten Blick auf die Halde Hoheward bis zum Rathaus in Essen, berichtet der Regionalverband Ruhr. Die Erzbahntrasse führt bis nach Bochum zur Erzbahnschwinge und der Jahrhunderthalle.

Besondere Orte im Ruhrgebiet

► Einst war es das Zentrum der Schwerindustrie in NRW. Heute gibt es im Ruhrgebiet einige besondere Ausflugsziele.

► So wurden viele ehemalige Zechengelände zu Parks umgebaut, die heute als Naherholungsgebiet dienen.

► Neben Relikten aus Zeit der Hochindustrie gibt es im Ruhrgebiet auch urige Altstädte mit Fachwerkhäusern und engen Gassen.

Natürlich gibt es im „Herz des Ruhrgebiets“ auch einen Ort, der noch an die Zeit der Schwerindustrie in der Region erinnern. So etwa das Gelände der ehemaligen Zeche Königsgrube im Süden von Röhlinghausen. Wie Alexander Christian vom Stadtmarketing Herne berichtet, wurde das Areal in den 1980er Jahren von der Stadt Herne zum Königsgruber Park umgewandelt. „Ein beliebtes Ziel der Naherholung“, sagt Christian. So gibt es in dem Park mehrere Grünflächen und einen Modellflugplatz. Ehemalige Zechenanlagen und kleinere Halden erinnern an die Zeit des Bergbaus. Sehenswert ist in Röhlinghausen auch das Haus mit der Nummer 237 an der Edmund-Weber-Straße. Die Villa wurde zu Beginn der 20. Jahre im Jugendstil erbaut und steht heute unter Denkmalschutz.

Röhlinghausen: Der Treffpunkt für die Bürger war früher mal ein Bauernhof

Und wo trifft man sich im Herz des Ruhrgebietes? Eine gute Anlaufstelle dürfte das Volkshaus Röhlinghausen sein. Das war früher einmal das größte bäuerliche Anwesen in dem Bezirk, heißt es bei der Stadt Herne. 1921 hieß das Volkshaus aber noch „Stratmanns Hof“. Damals beschloss die Gemeinde den Bauernhof dort anzukaufen und ein Ort für das Volk zu errichten. Zwei Jahre später, am 2. April 1923, fand dann die Eröffnung statt. Das Volkshaus sollte ein Ort der Zusammenkunft und der Kultur sein. Im Zweiten Weltkrieg wurde es allerdings durch einen Bombenangriff zerstört. Erst in den 1960er Jahren erfolgte der Wiederaufbau. Heute ist das Volkshaus wieder das, was es schon bei seiner Gründung sein sollte: ein Ort der Begegnung. Dort finden Hochzeiten und Geburtstage statt. Drinnen gibt es einen 400 Quadratmeter großen Saal, wo das „Theater im Volkshaus“ regelmäßig auftritt.

Das Volkshaus ist eine wichtige Begegnungsstätte in Röhlinghausen.

Wer hungrig ist, findet in Röhlinghausen diverse Imbisse und Pizzerien. Außerdem ist das Sud und Treberviertel im benachbarten Eickel nicht weit, sagt Christian. Rund um den Markt gibt es dort einige Kneipen. Die Gegend gilt demnach als eines der „beliebtesten Gastroviertel“. Und dann wäre da ja noch die Rolandstraße. Hier schlägt es nämlich, das Herz des Ruhrgebiets. Auf Höhe der Hausnummer 49 steht ein Stein mit einer silbernen Tafel. Darauf steht: „Sie befinden sich am geografischen Mittelpunkt des Ruhrgebiets in Herne-Röhlinghausen.“ Wie der Regionalverband Ruhr mitteilt, haben Geografen diesen Punkt bis auf den Meter genau vermessen und markiert. Und mit dem Fahrrad ist er auch noch gut erreichbar. (ebu)

Rubriklistenbild: © Hans Blossey/imago & Thomas Schild/imago

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