Problematische Tierschutzvereine
„Naive Verantwortungslosigkeit“: Rüde Spencer aus Rumänien gerettet – dann sollte er getötet werden
Ein älterer Rüde wird nach Deutschland vermittelt, dann wird er krank und plötzlich fehlen die finanziellen Mittel. Spencers Geschichte ist kein Einzelfall im Tierschutz.
Spencer kam aus dem Ausland nach NRW. Mit zehn Jahren wurde er von einem Verein aus Rumänien vermittelt, das war 2022. Jetzt ging es ihm nach und nach nicht mehr so gut, hatte zuletzt wohl Schmerzen. Das schrieb das Tierheim Dorsten auf Facebook.
In dem Post klingen Frust und Entsetzen durch. Spencer sollte den Tierschützern aus Dorsten zufolge „auf Wunsch seiner ‚Retterin‘ ohne medizinischen Grund eingeschläfert werden“. Das Tierheim schreibt, der Frau zufolge hatte er Schmerzen, „aber Geld für den Tierarzt ist keines da“, zudem sei er „hier ohnehin nie gut angekommen und hatte ja vier ‚schöne‘ Jahre. Da muss es auch mal gut sein“, heißt es sarkastisch in dem Facebookbeitrag. „Dieser Hund wurde offensichtlich ohne Sinn und Verstand angeschafft.“
Rüde Spencer aus Rumänien vermittelt: Dann sollte er plötzlich eingeschläfert werden
Die Tierschützer gehen davon aus, dass über Spencers Zukunft in Deutschland nicht ausreichend nachgedacht wurde. Sowohl von der Tierschutzorganisation als auch von der Frau, die den Rüden hier aufnahm. Und damit stehe Spencer nicht allein da, sagt eine Mitarbeiterin des Tierheims im Gespräch mit wa.de.
„Das ist keine Rettung, sondern gelebte naive Verantwortungslosigkeit, die viele Hunde am Ende das Leben kostet“, heißt es in dem Facebook-Post. Spencer hatte jedoch Glück, er kam ins Tierheim Dorsten, „darf ankommen, erhält umfassende tiermedizinische Versorgung und wird hier erstmal zuverlässig und fachkundig betreut“, wie in dem Beitrag steht.
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Im Gespräch sagt die Tierschützerin, Spencers Fall sei ein klassischer. „In den meisten Fällen kriegen wir das erst im Abgabefall mit, wenn Leute nicht mehr mit ihrem Tier klarkommen und wo die Vereine sich manchmal gar nicht mehr melden, keine Pflegestellen haben oder Ähnliches.“ Das Problem kennt auch der Deutsche Tierschutzbund mit Sitz in Bonn. „Manche Vereine haben gar keine Möglichkeit, ein Tier zurück zu nehmen, wenn Hund und Besitzer*in nicht zusammenpassen. Das Tier muss dann im nächstgelegenen Tierheim untergebracht werden“, heißt es in einer Pressemitteilung zum Thema.
Grundsätzlich seien private Tierschutzorganisationen, die sich im Ausland engagierten, eine Hilfe. „Der praktische Tierschutz würde ohne das private Engagement tierlieber Menschen sowie Spendengelder zusammenbrechen, da der Staat seinem Staatsziel Tierschutz nicht ansatzweise gerecht wird.“ Doch einige Vereine importierten Hunde und Katzen leider nicht mit legalen Mitteln. So käme es auch immer wieder zu Übergaben von Tieren an Rastplätzen oder anderen Orten an neue Besitzer, die das Tier so gar nicht kennenlernen könnten – auch bei legalen Tierschutzorganisationen.
Problematische Tierschutzvereine: Zu schnelle Vermittlung ohne Kennenlernen
Zudem werde oft „schnelles Handeln verlangt, um Hunde vor dem Ablauf einer Frist aus einer Tötungsstation zu befreien“, heißt es. Der Tierschutzbund sieht den Schwerpunkt im Auslandstierschutz in der Arbeit vor Ort, beispielsweise mit Kastrationen und Aufklärung der Bevölkerung. Nur im Einzelfall sollten Hunde nach Deutschland importiert werden. So macht es zum Beispiel Vox-Moderatorin und Tierschützerin Judith Pein. Sie vermittelt immer mal wieder Hunde an Tierheime in Deutschland. Von hier aus können sie in Ruhe von den passenden Menschen gefunden werden.
Im Gespräch zwei Wochen später berichtet die Tierschützerin, dass Spencer sogar eine Endpflegestelle gefunden habe. In Absprache mit dem Rettungsverein, der sich doch noch einmal gemeldet hatte, habe das Tierheim entschieden, ihn bei der kundigen Pflegestelle zu lassen. „Aufgrund seines Alters und seiner Wehwehchen haben wir uns dafür entschieden“, sagt die Tierschützerin im Gespräch mit wa.de. „Die Tierarztkosten übernehmen wir.“
Die Tierarztkosten waren offenbar ein großes Problem für Spencers „Retterin“. Diese sind durch die veränderte Gebührenordnung gestiegen. Zunehmend klagen Tierschutzvereine über Fälle, in denen sich Menschen diese Kosten nicht mehr leisten können.
Rubriklistenbild: © Tierschutzverein Dorsten und die Herrlichkeit Lembeck e.V.
