Gefahr für Fußgänger

Müll, Absturzgefahr, Schlaglöcher: Die vielen Mängel der Todesbrücke

Alte Absturzsicherung: Die Lücke zwischen Geländer und Boden ist so groß, dass Kinder hindurchfallen können.
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Alte Absturzsicherung: Die Lücke zwischen Geländer und Boden ist so groß, dass Kinder hindurchfallen können.

Seit Jahren gilt die Fußgängerbrücke von der Innenstadt nach Bockum-Hövel entlang der Bahngleise als Schandfleck, „Todesbrücke“ heißt sie im Volksmund. Die Situation ist lange bekannt, es ändert sich nichts. Wie fühlt man sich als Fußgänger auf der Brücke? Ein Besuch.

Hamm-Norden – Matthias Rüther geht über die Todesbrücke, er ist auf dem Heimweg, aus der Innenstadt nach Hause im Norden der Stadt. „Normalerweise gehe ich hier nicht lang“, sagt er. „Wenn ich die Wahl hätte, würde ich hier, vor allem abends, nicht langlaufen.“

Todesbrücke in Hamm: Eine von nur wenigen Fußgängerverbindungen über Lippe und Kanal

Die so genannte „Todesbrücke“ verbindet den Hauptbahnhof in Hamm mit Bockum-Hövel. Sie ist ein häufig genutzter Knotenpunkt für Fußgänger und Radfahrer, schließlich gibt es nur wenige Verbindungen über Lippe und Kanal: Wer vom südlichen Teil der Stadt in den Norden will oder anders herum, muss entweder diese Brücke, die viel befahrene Münster- oder Fährstraße nutzen. Die nächsten Möglichkeiten sind jeweils etliche Kilometer weiter westlich beziehungsweise östlich.

Die „Todesbrücke“ ist schmal und in einem schlechten Zustand. Fahrradfahrer dürfen hier nicht fahren und sind dennoch unterwegs. Fußgänger müssen im Zweifelsfall den Radfahrern ausweichen.

Verrostete Geländer, tiefe Schlaglöcher: Die Todesbrücke hat viele Schäden

Bereits ein kurzer Blick auf den Fußgängerweg erklärt, weshalb Matthias Rüther sich auf dem Weg nicht wohl fühlt: verrostete Geländer, auf dem Asphalt gibt es tiefe Schlaglöcher, viel Müll darauf und abseits des Wegs. Zwischen dem Boden und der Geländerunterkante gibt es teilweise große Lücken – Gefahrenpunkte insbesondere für Kinder.

Schlaglöcher: In Ordnung ist der Asphalt auf der Brücke schon lange nicht mehr.

Auf der Brücke gibt es Laternen, die für eine ausreichende Beleuchtung sorgen. Doch an vielen Stellen helfen auch sie nicht weiter, der Weg geht um die Kurve und ist einsehbar. Ist die Brücke ein Ort für kriminelle Machenschaften?

Kriminaltät auf der Todesbrücke: Zahlen gering - aus einem einfachen Grund

So bestätigt es die Polizei Hamm grundsätzlich, auch wenn die offiziellen Zahlen eher gering sind. „Es ist recht schwierig, einen genauen Bezug zu der Brücke zu belegen, da sie ohne Eigennamen nicht in den Akten auftaucht“, sagt Hannah Reineke, Sprecherin der Polizei Hamm. Dennoch könnten zumindest zwei Straftaten im Zusammenhang mit der Brücke in den vergangenen zwölf Monaten festgestellt werden.

Die Schäden an der Brücke sind den Behörden hinlänglich bekannt. Ausgebessert wurden sie bisher nicht. Grund dafür seien die komplizierten Eigentumsverhältnisse und Zuständigkeiten bei der Pflege und Instandhaltung des Weges.

Komplizierte Verhältnisse: Jedem gehört ein bisschen - keiner fühlt sich zuständig

So sei die Stadt Hamm für den Weg an sich zwar verantwortlich, die Böschungen und die Bereiche abseits des Weges lägen allerdings im Zuständigkeitsbereich der DB Netz AG. Zudem wuchern Büsche und Unkraut von den Seiten auf den Weg. Dafür trägt das Grünflächenamt Sorge, für die allgemeine Sauberkeit der ASH. Noch dazu gehören Teile der Seitenfläche der katholischen Kirchengemeinde Clemens August Graf von Galen, die dort für die Reinigung verantwortlich ist. Die Grünen haben schon im vergangenen Jahr vorgeschlagen, etwas an dem Zustand zu ändern - bisher ohne Erfolg.

Wo können Fußgänger in Hamm über Lippe und Kanal?

Die Anzahl der Möglichkeiten, vom Norden in den Süden der Stadt zu kommen und anders herum, ist begrenzt: Schließlich sind Kanal und Lippe zu überqueren.

Da wären die wohl am häufigsten genutzten Verbindungen: Münsterstraße und Fährstraße. Beide verfügen über vergleichsweise breite Fuß- und Radwege, der Zustand des Bodens ist – verglichen mit der „Todesbrücke“ – in Ordnung. Allerdings gibt es keine bauliche Trennung der Straßen von Rad- und Fußweg. Wollen also beispielsweise Familien mit kleinen Kindern die Brücke zu Fuß oder mit dem Rad nutzen, nehmen sie das Risiko in Kauf, dass die Kinder versehentlich auf die Straße gehen oder fahren. Dort gilt Tempo 50. Auf der Münsterstraße wird hinter dem Blitzer stadteinwärts oft gerast. Die nächste Verbindung in Richtung Westen ist die Eisenbahnbrücke.

Anschließend folgt nach mehr als zwei Kilometern die Radbodstraße. Auch dort gibt es keine bauliche Trennung des Rad- und Fußweges von der Straße, auch dort gilt Tempo 50. Die nächste Möglichkeit zur Querung ist hervorragend für Fuß- und Radfahrer geeignet: die Brücke im Lippepark. Allerdings ist sie mehr als vier Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt.

In Richtung Osten folgt nach der Fährstraße ebenfalls kilometerweit keine Möglichkeit zur Querung.

Dieses Wirrwarr zwischen den unterschiedlichen Parteien sorgt dafür, dass sich nur schwerlich eine Lösung für die Reinigung und Erneuerung des Weges finden lässt. Gerade eine Reinigung und Sanierung täte den Mauern der Brücke sehr gut. Neben vereinzelten Liebesschlössern, die seit zig Jahren dort hängen, finden sich an den Mauern auf beiden Seiten wiederholt Graffiti und andere Schmierereien.

Eine Lösung? Ist nicht in Sicht

Doch auch hier bleibt abzuwarten, bis eine Lösung für den an sich so wichtigen Fußgängerüberweg gefunden worden ist. So lange dies dauert, bleibt es wohl dabei, dass nur wenige den Weg nutzen: Die, die mutig genug sind, die „Todesbrücke“ zu überqueren.

VON SASCHA PASCHEDAG

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