Grüne kritisieren Zustand
„Todesbrücke“ zum Hammer Norden: einfach nur zugemüllt?
Der Zustand des Fuß- und Radweges über die Bahnbrücke im Hammer Norden (im Volksmund auch „Todesbrücke“ genannt) wie auch des Umfeldes lässt nach Ansicht der Grünen in Hamm zu wünschen übrig.
Hamm – In einer Anfrage stellen die Grünen fest, dass die Brücke stark von Fußgängern und Radfahrern genutzt werde, auch wenn ihr Zustand mangelhaft sei. Er stelle eine wichtige, autofreie Verbindung abseits der Hauptverkehrswege zwischen dem Zentrum und dem Hammer Norden dar. Die Grünen bemängeln unter anderem die starke Vermüllung. Mit Blick auf die westliche Weiterführung des Projektes Erlebensraum Lippeaue sei es unverständlich, dass bisher keine Bereitschaft bestehe, das Umfeld davon zu säubern. Der sowieso schon schmale Fuß- und Radweg werde noch weiter durch einwachsende Bankette und Brombeeren eingeengt.
In ihrer Stellungnahme teilt die Verwaltung mit, dass die Stadt Hamm für die bauliche Unterhaltung des Weges und der Treppe sowie die Reinigung dieser öffentlichen Verkehrsflächen zuständig sei.
Beim Umfeld des Weges und den Böschungen handele es sich im Wesentlichen um Grundstücksflächen der DB Netz AG, die als Eigentümer für die Pflege und Reinigung dieser Flächen verantwortlich sei. Die letzten rund 80 Meter des Weges auf der Nordseite befänden sich im Eigentum der Stadt Hamm. Federführend zuständig für die bauliche Unterhaltung des Weges sei das Tiefbau- und Grünflächenamt, für die Reinigung und den Winterdienst ist der ASH.
Die dort befindlichen Seitenflächen westlich des Weges gehörten der Katholischen Kirchengemeinde Clemens August Graf von Galen, die damit für die Pflege dieser Flächen zuständig sei. Man werde DB Netz AG und die Katholische Kirchengemeinde bezüglich der Reinigung des Umfeldes anschreiben, verspricht die Verwaltung.
„Todesbrücke“ in Hamm vermüllt: Jährliche Sonderprüfung der Bahn
Für den angesprochenen Wegebereich auf der Brücke sei zwischen der DB Netz AG und der Stadt Hamm 1973 eine Vereinbarung 1973 und 1998 ein Gestattungsvertrag geschlossen worden, nach dem für die Unterhaltung des auf Bahnflächen liegenden öffentlichen Verkehrsweges die Stadt Hamm zuständig sei.
Weiterhin weist die Stadt Hamm noch auf ein Problem hin, das das Ende des Fuß- und Radverkehrs über die Brücke bedeuten könnte. So sei die DB Netz AG der Eigentümer der Brückenbauwerke einschließlich des Kragarmes, auf dem der Gehweg verläuft. Dieser Kragarm weise erhebliche Schäden auf, sodass die Bahn seit einigen Jahren jährlich eine Sonderprüfung durchführe. In 2017 sei durch die Bahn eine Stabilisierungsmaßnahme am Kragarm durchgeführt worden. Sollte die Bahn aufgrund der jährlichen Sonderprüfung jedoch feststellen, dass der Kragarm nicht mehr tragfähig sei, müsse die Bahn das Nutzungsrecht für die Stadt und damit für die Öffentlichkeit entziehen.
Die Lippe- und Kanalbrücke der Bahn
Gebaut wurde die Brücke von der Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft. „Die fand in Hamm ein günstiges Terrain für einen Lippeübergang vor“, verdeutlicht Dr. Markus Meinold, der 2004 ein Buch über die Geschichte des hiesigen Bahnhofs herausgegeben hat. Ab 1848 sei die Querung dann auch von der Münster-Hammer Eisenbahngesellschaft genutzt worden, der späteren Westfälischen Eisenbahn. Bestand hatte die Brücke in ihrer ursprünglichen Form bis zum Bau des neuen Bahnhofs und des Datteln-Hamm-Kanals (1914). Dann ist einer der drei Rundbögen entfernt worden. Im Zweiten Weltkrieg versuchte die Wehrmacht, die bereits durch Bomben beschädigte Brücke zu sprengen. Doch was an der Straßenüberführung Münsterstraße gelang, schlug hier fehl. Die Amerikaner entfernten die Eilgutgleise auf der Ostseite des Bauwerks, um auf ihrem Vormarsch mit Fahrzeugen und Panzern über Kanal und Lippe zu gelangen. - WA
„Todesbrücke“ in Hamm vermüllt: Ruf nach Sanierung schon 2010
Über den schlechten Zustand und die Sanierungsbedürftigkeit der Brücke hatte der WA bereits im Dezember 2010 berichtet: „Auch ein Jahrhundertbauwerk macht mal schlapp: Die Deutsche Bahn AG muss über kurz oder lang die 1846 fertiggestellte Eisenbahn-Brücke über Hafenstraße, Datteln-Hamm-Kanal und Lippe nördlich des Bahnhofs sanieren.“ Die hauptkonstruktiven Teile befänden sich am Ende ihrer Nutzungsdauer. Es liefen Sondierungsgespräche, teilte die Bahn damals mit. Und es ging auch schon um einen breiteren Fuß- und Radweg. Offen blieb, ob es bei einer Ausbesserung bleibe oder vielleicht ganz neu gebaut werden müsse. Auch drei Jahre später teilte ein Bahnsprecher noch einmal mit, man befinde sich derzeit in der Grundlagenermittlung. Bis zu ihrer Erneuerung sollen dort nur sicherheitsrelevante Mängel ausgebessert werden.
Nach dem aktuellen Zustand des Fuß- und Radweges befragt, teilte eine Bahnsprecherin mit, dass die letzte Prüfung des Kragarmes im Frühjahr 2021 stattgefunden habe. Dabei seien keine Mängel festgestellt worden. „Die Standsicherheit des Fußwegs ist für die nächsten Jahre gewährleistet“, stellte sie fest. Seitens der DB sei der Neubau eines Fuß- und Radwegs derzeit nicht geplant.
Zudem machte die Bahnsprecherin darauf aufmerksam, dass die Nutzung des Weges für den Radverkehr ausgeschlossen sei. Entsprechende Schilder vor Ort wiesen auch darauf hin. Das Schieben der Fahrräder sei selbstverständlich gestattet.
