Kultlokal in Hamm

Countdown fürs Hardy‘s: Was steht noch an? Und was kommt danach?

In weniger als einem Monat wird im „Hardy’s“, der Kultkneipe in der Oststraße in Hamm, der Zapfhahn nach oben gedreht. Was bis dahin noch passiert und wie es danach weiter geht: Alle Infos im Artikel!

Hamm – Am 1. April 2023 werdeb Jutta Elbers und Hartmut Weiß im „Hardy‘s“ letztmalig ihre Gäste begrüßen. Das gaben sie im November 2022 bekannt. Eine Nachfolgelösung für das beliebte Lokal in der Oststraße Hamm steht inzwischen fest: Es wird ein vietnamesisches Restaurant einziehen.

Inwiefern es sich kulinarisch vom fast benachbarten „Bach Tra Cuisine“ abheben soll, ist der Redaktion noch nicht bekannt – „authentisch“ soll es sein, hat sich Weiß sagen lassen, auch Cocktails sollen Teil der Karte sein. Die „vietnamesische Lösung“ geht übrigens auf die Hausbesitzer zurück; die Pächter hatten am Ende „keinen Zugriff“ mehr auf die Entscheidung.

Rund acht Wochen dürften bis zur Neueröffnung vergehen, schätzt Weiß. Er freut sich darüber, dass sein Mobiliar von der Theke bis zur Küche im Lokal verbleiben wird. Für die Mitarbeiter gilt das nur teilweise: Koch Michael hat offenbar eine andere Stelle in Hamm gefunden, vom Servicepersonal sollen zwei oder drei Personen übernommen werden. Weiß selbst hält sich in Sachen Zukunft noch bedeckt; fürs Erste habe er ohnehin noch sehr viel Arbeit mit der Abwicklung des Lokals.

Rüdiger Brand (rechts) versteigert am 26. März die Gemälde von Jutta Elbers und auch Einrichtungsgegenstände aus ihrer mit Hartmut Weiß betrieben Gaststätte, dem „Hardy’s“.

Hardy‘s in Hamm hört auf: Zettelwirtschaft und Restetrinken

Bis zum 1. April soll es neben den normalen Kneipenabenden aber noch drei besondere Gelegenheiten geben, sich vom „Hardy’s“ und seinen beiden Betreibern zu verabschieden.

So wird am Samstag, 11. März, zum letzten Mal die „Zettelwirtschaft“ stattfinden. Ab 22.30 Uhr werden in Erinnerung an die Jahre vor Corona Zettel und Stifte verteilt, auf denen sich die Gäste Lieblingssongs wünschen können, die dann ab 23 Uhr gespielt werden. „Und dann wird bis tief in die Nacht getanzt“, hofft Elbers.

Am Samstag, 1. April, laden sie und Weiß ab 17 Uhr zum „Restetrinken“ ein.

Hardy‘s in Hamm hört auf: Kunst-Versteigerung fürs Hospiz

Wenige Tage vorher, am 26. März, startet um 17 Uhr aber zunächst eine ganz besondere Aktion: Dann werden beliebte Einrichtungsgegenstände versteigert. Je mehr dabei zusammenkommt, desto besser, denn ein wesentlicher Teil des Erlöses geht an das Hospiz. Als Hobby-Kunstauktionator wird Rüdiger Brand den Hammer schwingen und den Verkauf anheizen.

Unstrittig ist, dass das besondere Flair des „Hardy’s“ auch die zahlreichen Gemälde von Jutta Elbers ausmachen. Immerhin ist sie seit vielen Jahren eine bekannte und anerkannte Hammer Künstlerin. Schon im Eingangsbereich fällt der Blick sofort auf das große Bild einer Kneipen- und Tanzszene, das stilistisch an Renoir oder Degas erinnert. Elbers hatte vor der Eröffnung der Kneipe fünf Tage lang an dem Bild gemalt. Dieses und weitere Gemälde und auch einige Einrichtungsgegenstände wie eine bemalte Stehlampe und Tafeln gehören nun zur Auktionsmasse.

Hardy‘s in Hamm hört auf: Alles bleibt bis zum 1. April da

Bevor der Hammer am 26. März fällt, gibt es einen Sektempfang, und Stammgäste können sich vor dem Tanz-Gemälde fotografieren lassen. Wer das Gemälde ersteigert, bekommt übrigens zwei Bilder in einem. Elbers hatte für die Tanzszene ein Bild übermalt, auf dem sie eine Frau im Bikini gemalt hatte, die vor einem Tsunami flieht.

Auch andere Gemälde haben ihre Geschichte: So hängen im hinteren Bereich der Kneipe Porträts von Götz Alsmann, Elke Heidenreich und Helge Schneider, die allesamt schwarze Umhänge tragen. „Sie sind entstanden, als zum Erscheinen eines Harry-Potter-Bandes die Oststraße zur Winkelgasse wurde“, erklärt Jutta Elbers. Auch weitere bekannte Künstler hat sie auf Leinwand verewigt, den Musiker Frank Zappa und den Maler Jörg Immendorff. Aber auch Bilder von Stammgästen und noch weitere Gemälde werden versteigert.

„Und wie bei Sotheby’s ist auch bei uns das Mitbieten von außerhalb per Telefon möglich“, verspricht Auktionator Brand und verweist auf die Nummer 437110.

„,Niemals geht man so ganz‘ hat Trude Herr einst gesungen, aber einen Teil vom ,Hardy’s‘ wollen wir hier lassen“, erklärt Weiß die Auktion-Aktion. Die Bilder und Einrichtungsgegenstände bleiben übrigens noch bis zum 1. April im Lokal, damit die Gäste in der letzten Woche nicht vor leeren Wänden sitzen, verspricht Elbers.

Hardy‘s in Hamm hört auf: die Gründe für das Aus

Mit den drei genannten besonderen Aktionen möchte das Wirtepaar seinen Gästen und Freunden noch einmal Danke sagen, die ihnen in den sechs Jahren die Treue gehalten haben. Die Gründe für das Aus sind vielschichtig.

Hauptauslöser war die Corona-Krise mit den zeitweisen Zwangsschließungen. Zwar kommen längst wieder viele Besucher, doch es fehle der qualifizierte Nachwuchs bei den Mitarbeitern, die sich zwischenzeitlich teils anders orientiert hatten. So musste Elbers immer öfter selbst einspringen, die einst maximal an zwei Abenden Bestellungen aufnahm und sonst hinter den Kulissen wirkte. Zum Schluss kamen auch noch die gestiegenen Energiekosten hinzu, so dass sich Elbers und Weiß entschlossen, den auslaufenden Pachtvertrag nicht zu verlängern.

Und jetzt hat Elbers, Vorsitzende des Arbeitskreises Kunst, endlich wieder Zeit, sich der Malerei zu widmen. Eine erste Ausstellung ist bereits geplant.

Rubriklistenbild: © Kathrin Bennemann

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