SPD sieht Reformbedarf

Erbschaftssteuer-Debatte in der Union: Linnemann warnt vor Verunsicherung

Unionsfraktionschef Spahn hat eine Debatte über die Vermögensverteilung in Deutschland angestoßen. Linnemann warnt, die SPD will Verhandlungen.

Berlin – CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hält eine Debatte über eine Erhöhung der Erbschaftssteuer in der jetzigen Situation für den falschen Weg. „Das Problem ist im Moment, wenn wir an die Erbschaftsteuer rangehen, trifft es sofort die Familienunternehmen in Deutschland, und die darf es als Letztes treffen“, sagte Linnemann im ZDF-„Morgenmagazin“. Gerade jetzt, wo vielen Betrieben die Luft zum Atmen fehle, dürfe man nicht mit neuen Steuererhöhungen verunsichern.

Historische Momente bei der Kanzlerwahl von Friedrich Merz

NRW-Ministerpräsident Hendrick Wüst herzte CDU-Parteichef Friedrich Merz
Lars Klingbeil plauderte mit Friedrich Merz und Jens Spahn
Bundestag - Kanzlerwahl
Bundestag - Kanzlerwahl
Historische Momente bei der Kanzlerwahl von Friedrich Merz

Erbschaftssteuer-Debatte: Linnemann rät zur Vorsicht beim Vorstoß von Spahn

Zuvor hatte der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland als Problem bezeichnet und damit eine Debatte zur Erbschaftssteuer losgetreten. Dies sei „so nicht in Ordnung“, räumte der CDU-Politiker politischen Handlungsbedarf bei dem Thema ein. Wirtschaftsverbände und Union reagierten zunächst verhalten. Grüne, Linke und SPD sehen ihrerseits Handlungsbedarf.

Offen zeigte sich Linnemann aber für Reformen, auch vor dem Hintergrund eines ausstehenden Urteils am Bundesverfassungsgericht, das die Regierung zum Handeln zwingen könnte. Linnemann brachte ein eigenes Unternehmenssteuerrecht ins Spiel. Ihm zufolge wäre es von privaten Erbschaften getrennt und könnte so Regelungen treffen, um die Weitergabe von Firmen in die nächste Generation zu ermöglichen. „Dann haben Sie im privaten Bereich - was heißt mehr Spielräume - aber mehr Flexibilität, etwas zu machen.“ Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder will eine „massive“ Senkung der Steuer sehen.

Erbschaftssteuer: SPD will mit der Union über Reformen verhandeln

Nach den Hinweisen von Spahn auf die Bereitschaft zu einer Reform der Erbschaftsteuer zeigte sich die SPD begeistert. Die Sozialdemokraten dringen auf zügige Verhandlungen der Koalitionspartner. Sie sei „optimistisch, dass wir das Thema konstruktiv gelöst bekommen“, sagte SPD-Fraktionsvize Wiebke Esdar dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Wir wollen die Erbschaftssteuer reformieren, dabei zielen wir auf sehr große Erbschaften“, betonte Esdar.

Carsten Linnemann spricht bei einer Veranstaltung des CDU-Bundesvorstands. (Archivfoto)

Ziel müsse es sein, dass die „extrem Reichen in unserer Gesellschaft mehr Verantwortung für unser Allgemeinwohl übernehmen“, sagte die SPD-Politikerin weiter. „Es ist unfair, wenn heute auf kleine Erbschaften ein höherer Anteil von Steuern gezahlt werden muss, während nur ein geringfügiger Teil von Milliarden-Erbschaften in Deutschland überhaupt steuerpflichtig ist“, kritisierte Esdar.

Erbschaftssteuer: Spahn stößt Debatte an

Die Fraktionsvize kündigte an, die SPD wolle nun über das Thema „in einen sachlichen und unaufgeregten Austausch mit den Haushalts- und Finanzpolitikern der Union treten“. Sie bekräftigte, neben der Reform der Erbschaftsteuer wolle die SPD auch stärker gegen Steuerbetrug und Steuerschlupflöcher vorgehen.

SPD, Grüne und Linkspartei dringen schon lange auf eine höhere Erbschaftsteuer für große Vermögen. Diese profitieren aktuell von zahlreichen Ausnahmeregeln. Aus CDU und CSU waren Mehrbelastungen für Wohlhabende bislang vorwiegend abgelehnt worden. (bb mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare