Trotz großem Protest
Paviane in Nürnberger Zoo getötet – Direktor gesteht verheerenden Zwischenfall: „Noch nie passiert“
Obwohl die Proteste gegen die Pavian-Tötung enorm waren, fand der Nürnberger Zoo keinen anderen Weg. Der Direktor schildert tragische Vorfälle.
Update vom 31. Juli: Nach der Tötung von zwölf Pavianen im Nürnberger Tiergarten sind mehr als 100 Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Diese hätten sowohl Organisationen als auch Einzelpersonen gestellt, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Heike Klotzbücher. Die „Nürnberger Nachrichten“ hatten zuvor berichtet.
Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen werfen dem Tiergarten einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor. Demnach dürfen Tiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. „Ob hier ein vernünftiger Grund vorlag, wird zu prüfen sein“, erläuterte Klotzbücher. „Welche Ermittlungen erforderlich sind, kann erst nach eingehender Prüfung der Anzeigen beurteilt werden.“
Erstmeldung vom 30. Juli: Nürnberg – Dass Tiere in Zoos getötet werden, ist laut dem Deutschen Tierschutzbund „gängige Praxis“. Doch der Vorfall im Nürnberger Tiergarten sorgt für gewaltige Aufregung und Proteste. Aus Platzmangel wurden dort zwölf Paviane getötet.
Ein Ergebnis jahrelanger Abwägungen sei dies gewesen, sagte Direktor Dag Encke am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz. Encke legte dabei detailliert und sichtlich angefasst dar, warum die Tötung notwendig war. Sogleich erklärte er, die Tötung der Guinea-Paviane werde keine einmalige Aktion bleiben. Auch in den nächsten Jahren werde der Tiergarten einzelne Paviane für den Erhalt der Population töten müssen – allerdings nicht in der Größenordnung wie jetzt. Zudem gestand der Direktor einen Vorfall während des Prozesses der Tötung.
Paviane sterben vor Kopfschuss: „Wir haben keine Ahnung, warum. Das ist uns noch nie passiert“
Bei einer Inhalationsnarkose, bei der man sicherstellen wollte, kein trächtiges Tier zu töten, seien zwei Tiere verstorben. „Wir haben keine Ahnung, warum. Das ist uns noch nie passiert“, sagte Encke. Nun soll eine Obduktion die Todesursache aufklären. „Von unserem professionellen Anspruch her war das irritierend“, gestand der Zoo-Direktor. Beide Tiere wären aber ohnehin getötet worden. Die anderen zehn Guinea-Paviane wurden nach Angaben des Tiergartens einzeln mit einem Kugelschuss in einer Transportkiste erschossen.
Aus Sicht von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen verstößt bereits die Tötung der Affen gegen das Tierschutzgesetz. Pro Wildlife, der Deutsche Tierschutzbund, Peta und die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht kündigten an, dass sie nun Strafanzeige stellen werden.
Guinea-Pavian (Papio papio)
Der kleine Vertreter der Paviane, auch Sphinx- oder Roter Pavian genannt, lebt in Westafrika von Senegal bis Guinea und erreicht eine Körperlänge von 60 bis 115 cm bei einem Gewicht von 13 bis 26 Kilogramm. Charakteristisch sind das rotbraune Fell, das unbehaarte dunkelviolette oder schwarze Gesicht und bei Männchen eine markante Mähne. Die tagaktiven Allesfresser leben in Gruppen von 30 bis 200 Tieren in trockenen Savannen und Galeriewäldern. Wegen ihres kleinen Verbreitungsgebiets und weil die Tiere Lebensraum verlieren, gilt die am wenigsten erforschte Pavianart als „gering gefährdet“.
Quellen: animal.bio, safari-afrika, IUCN Red List Of Threatened Species
Protestaktion am Tag der Pavian-Tötung
Dass man überzählige Paviane töten wolle, hatte der Tiergarten bereits im Februar 2024 bekanntgegeben. Von Tierrechts- und Tierschutzorganisationen kam scharfe Kritik. Zuletzt waren die Proteste immer lauter geworden.
Am Dienstag kündigte der Tiergarten am Morgen überraschend an, „aus betrieblichen Gründen“ geschlossen zu bleiben. Die Organisation Animal Rebellion rief daraufhin zu einer Protestaktion gegen die Tötung der Paviane vor dem Eingang auf. Angaben der Polizei zufolge drangen am Nachmittag sieben Aktivistinnen und Aktivisten über ein Tor in den Tiergarten ein. Eine Frau klebte sich hinter dem Haupteingang mit den Händen am Boden fest.
Pavian-Gehege in Nürnberg überbelegt
Das Pavian-Gehege ist seit langer Zeit überbelegt. In dem Gehege lebten dem Tiergarten zufolge zuletzt 43 Tiere, ausgelegt war es aber für 25 erwachsene Affen plus Jungtiere. Dadurch kam es demnach verstärkt zu Konflikten, bei denen sich die Tiere verletzten. Der Tiergarten hatte zuvor versucht, mit Verhütungsmittel gegenzusteuern, sah nach eigenen Angaben aber schließlich keine andere Möglichkeit, als einige der Tiere zu töten. Eine Abgabe oder Auswilderung von Tieren sei nicht möglich gewesen, sagte Encke.
Treue Tier-Kumpels: Wussten Sie, dass diese 13 Arten beste Freunde haben?




Schließlich sei die Gruppe so groß geworden, dass die Haltung in dem Gehege nicht mehr tierschutzkonform gewesen sei. Deshalb habe der Zoo zwischen dem Lebensschutz einzelner Tiere und dem Wohlergehen der Population abwägen müssen. Nun leben in der Anlage dem Direktor zufolge 26 erwachsene Tiere und damit immer noch drei zu viele. „Wir nehmen das in Kauf, wohl wissend, dass wir damit schneller wieder zu ähnlichen Aktionen greifen müssen, die aber dann natürlich nicht in der Größenordnung liegen wie jetzt“, sagte Encke. Sonst hätte der Tiergarten mehr junge Tiere töten müssen, die aber wichtig für die Gruppe gewesen seien.
Der Deutsche Tierschutzbund sprach von einem Tabubruch. „Die Verantwortung für Tiere, die man als Zoo hält und züchtet, endet nicht dort, wo es räumlich, finanziell oder organisatorisch unbequem wird“, teilte dieser mit.
Die toten Affen wurden an Raubtiere des Zoos verfüttert. Auch das ist offenbar gängige Praxis. Trotzdem sorgen solche Fälle immer wieder für Schlagzeilen, etwa 2014 die Tötung von Giraffe Marius im Kopenhagener Zoo oder die eines Zebras 2023 in Leipzig. (mke mit dpa)
Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa
