Acai, Chiasamen und Spirulina

Superfood oder gutes Marketing? Was wirklich gesund ist und was man getrost meiden kann

Superfoods versprechen viel, doch was können sie wirklich? Wir nehmen uns 8 Trend-Zutaten vor und schauen, was sie tatsächlich drauf haben.

Im Alltag fällt es oft schwer, sich gesund zu ernähren. Da wünschen sich viele Menschen „Superfoods“, auf die sie vertrauen können – Lebensmittel, die gleich eine ganze Palette an Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen abdecken. Obwohl eine einzige Zutat natürlich niemals eine ausgewogene Ernährung ersetzen kann, gibt es definitiv Produkte, die es in sich haben. Wir haben uns 8 Trends angeschaut und gecheckt, was sie wirklich können.

1. Acai-Beeren

So frisch bekommt man die Acai-Beere in Deutschland kaum. Meist wird das „Superfood“ als Pulver verkauft.

Acai kann man zurecht als Superfood bezeichnen. Die brasilianische Beere enthält viele Vitamine, Ballaststoffe und Mineralien. Heilversprechen sind allerdings Unsinn. Für keine der angepriesenen Wirkungen gibt es einen wissenschaftlichen Nachweis. Wer keine Lust hat, 20 € für eine Tüte Acai-Pulver auszugeben, kann auch andere Beeren in seiner Frühstücksbowl verarbeiten – z.B. Brombeeren. Während Acai bei Antioxidantien, gesunden Fettsäuren und Vitamin A besser abschneidet, macht die heimische Alternative Punkte bei Vitamin C und Calcium. Nur weil etwas über den Atlantik geschifft wird, ist es nicht gleich in jeder Hinsicht besser. Hier haben wir eine Mischung aus echtem Superfood und geschicktem Marketing.

2. Quinoa

Quinoa-Körner kommen in unterschiedlichen Farben. Gekocht erinnern sie an Reis.

Quinoa wurde schon von den Inka geschätzt. Heute wächst es auch auf deutschen Feldern. Der hohe Gehalt an Eisen, Folsäure und hochwertigen Proteinen macht das Korn zu einer idealen Wahl für Vegetarier und Veganer. Auch mit einer ordentlichen Portion Ballaststoffen kann der glutenfreie Getreideersatz punkten. Ein echtes Superfood, das man z.B. in einem mediterranen Salat verarbeiten kann. Der schmeckt beim Grillfest auch den Fleischessern.

3. Kurkuma

Kurkuma ist in Indien ein bewährtes Mittel in der traditionellen Medizin.

Dieses Pulver aus Gelbwurz findet man in jeder Curry-Mischung, doch während Zutaten wie Bockshornklee in der Masse der Gewürze untergehen, hat Kurkuma sich einen eigenen Platz im Rampenlicht erarbeitet. Angeblich soll das enthaltene Curcumin sogar gegen Krebs wirken. In Wahrheit gibt es dafür allerdings keinen Beweis. Es ist richtig, dass der Stoff in Laborversuchen das Wachstum von Krebszellen hemmt, aber zwischen einer Petrischale und dem menschlichen Körper liegen immer noch Welten. Richtig dosiert kann Curcumin aber tatsächlich bei Verdauungsbeschwerden helfen.

4. Matcha

Der zu feinstem Pulver vermahlene Grüntee wird in der japanischen Teezeremonie verwendet.

Bei Matcha fällt vor allem ein Stichwort immer wieder: Antioxidantien. Das sind Stoffe, die „freie Radikale“ im Körper neutralisieren. Solche Radikale können Zellen schädigen, damit „oxidativen Stress“ verursachen und zur Entstehung von Krankheiten beitragen. Zu den Antioxidantien gehören z.B. auch Vitamin C und Eisen, die im japanischen Grüntee-Pulver in großen Mengen vorhanden sind. Bei vielen „Superfoods“ sind allerdings seltenere Antioxidantien ein wichtiger Bestandteil des Marketings – im Fall von Matcha ist es EGCG. Gesundheitsbezogene Werbeaussagen sind für den Stoff in der EU nicht zugelassen, doch auch ohne die bietet Matcha ein sehr gesundes Gesamtpaket.

Wer nicht auf einen gelegentlichen Koffein-Kick verzichten möchte, hat hier auf jeden Fall eine starke Alternative zu Energy Drinks. Eine Tasse enthält ca. 70 mg Koffein und ist damit mit einem Espresso vergleichbar. Vielleicht mag man auch einfach den Geschmack. Vor allem in einem Erdbeer-Matcha-Latte macht er sich hervorragend. Der ist zwar alles andere als zuckerfrei, aber man darf sich auch mal was gönnen.

5. Chiasamen

Chiasamen lassen sich z.B. zu Pudding verarbeiten.

Die Früchte der mexikanischen Chia-Pflanze enthalten nicht nur Eiweiß, sondern vor allem Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und Ballaststoffe, die zur Darmgesundheit beitragen. Obwohl das alles sehr gesund ist, ist auch bei Chiasamen eine ordentliche Portion Marketing im Spiel.

6. Leinsamen

Superfood aus der Heimat – Leinsamen statt Chiasamen

Chiasamen haben kein Monopol auf Omega-3, Antioxidantien und Ballaststoffe. Andere Samen bieten ähnliche Vorteile und wachsen auch bei uns in Europa. Zusammen mit Haferflocken und den oben schon erwähnten Brombeeren kriegt man seine Superfood-Frühstücks-Bowl mit Leinsamen auch regional hin. Sie sind ebenfalls gut für die Verdauung, haben eine sehr ähnliche Nährstoff-Zusammensetzung und sind außerdem deutlich günstiger als die südamerikanische Variante.

7. Spirulina

Spirulina-Algen gibt es als Pulver oder gepresste Tabletten zu kaufen.

Spirulina wird in Aquakulturen gezüchtet und als Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Wer mit dem „Superfood“ Vitamin B12 supplementieren möchte, sollte sich allerdings andere Alternativen suchen. Die Verbraucherzentrale warnt, dass insbesondere Veganer und Vegetarier in einen Mangel abrutschen können. Das Problem: Obwohl die Alge das Vitamin in großen Mengen enthält, ist es für den Menschen in dieser Form kaum verwertbar. Bei den versprochenen Wunderwirkungen des enthaltenen Antioxidans Chlorophyll ist die wissenschaftliche Grundlage sehr dünn.

Wer trotzdem wert darauf legt, findet es auch in grünem Gemüse, z.B. Grünkohl wieder. Tatsächlich enthält Spirulina wertvolle Mineralstoffe und Vitamine, doch die Erwartungen, die manche an einen kleinen Löffel grünes Pulver haben, sind maßlos übertrieben. Vorsichtig sollte man vor allem bei Werbung für eine „entschlackende“ oder „entgiftende“ Wirkung sein, denn das Konzept „Detox“ ist grundsätzlich ein Mythos.

8. Grünkohl

Grünkohl schmeckt nicht jedem – aber er steckt voller guter Nährstoffe.

Omas Lieblingsgemüse erlebte vor einiger Zeit einen echten Hype in den USA. Dort kennt man es als „Kale“. Grünkohl enthält einen beeindruckenden Mix an Vitaminen und Mineralstoffen und stellt in puncto Vitamin A sogar die Acai-Beere in den Schatten. Wenn man Grünkohl isst, hat man seinen Tagesbedarf an Vitamin A und Vitamin K auf jeden Fall gedeckt, doch auch die Werte für Vitamin C und Eisen können sich sehen lassen.

Wer den Kohl nicht mit Unmengen an Schmalz und Speck essen möchte, kann sich dieses Rezept anschauen. Wir haben den deutschen Klassiker zu einem koreanisch angehauchten Salat mit Sesamöl und Chili gemacht. Wahnsinnig lecker!

Rubriklistenbild: © stock&people / IMAGO

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