Dobrindt warnt

Umfrage-Beben in Sachsen-Anhalt: AfD schießt auf 39 Prozent – CDU abgeschlagen

Die AfD erreicht in Sachsen-Anhalt 39 Prozent bei aktueller Umfrage, mit Spitzenkandidat Siegmund, der Ministerpräsident werden will.

Magdeburg – In Sachsen-Anhalt wird in einem Jahr ein neuer Landtag gewählt. Eine aktuelle Umfrage von Infratest dimap sorgt bereits jetzt für Aufsehen: 39 Prozent der Wählerinnen und Wähler würden derzeit für die AfD stimmen. Die Partei läge damit deutlich vor der CDU, die auf 27 Prozent kommt. Drittstärkste Kraft ist mit großem Abstand die Linke, die auf 13 Prozent käme.

Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle.
Auf dem Parteitag wurde Parteichefin Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekürt.
AfD-Bundesparteitag in Riesa
AfD Parteitag 2013 in Berlin
Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Bei der letzten Landtagswahl 2021 hatte die AfD 20,8 Prozent erreicht und wurde stärkste Oppositionsfraktion. Seither konnte sie ihre Werte nahezu verdoppeln. Schon bei der Bundestagswahl im Februar kam sie in Sachsen-Anhalt auf 37 Prozent. Das aktuelle Umfrageergebnis verstärkt den Eindruck, dass die Partei in dem Bundesland unangefochten dominiert.

Ulrich Siegmund etabliert sich als zentrales Sprachrohr der AfD in Sachsen-Anhalt

Eine zentrale Figur dieser Entwicklung ist Ulrich Siegmund. Der 34-Jährige führt seit 2022 die AfD-Fraktion als Co-Vorsitzender und gilt als einer der prägenden Köpfe der Partei in Sachsen-Anhalt. Auf TikTok erreicht er mit kurzen, pointierten Videos mehr als eine halbe Million Followerinnen und Follower – und etabliert sich damit als wichtigster Sprachrohr der AfD im Netz.

Siegmund setzt auf einfache Botschaften, kurze Clips und die Inszenierung als Opfer politischer Kampagnen. Wie ZDFheute berichtete, inszenierte sich Siegmund nach seiner Teilnahme am berüchtigten „Potsdamer Treffen“ im November 2023, bei dem über „Remigration“ diskutiert wurde, auf TikTok als Opfer einer ungerechten Öffentlichkeit. Kritik, auch aus den eigenen Reihen, lässt er so hinter einer erfolgreichen Kommunikationsstrategie verschwinden.

Vielen Bürgern noch kein Begriff: Ulrich Siegmund ist einer von zwei Fraktionschefs der AfD im Magdeburger Landtag. (Archiv)

AfD in Sachsen-Anhalt: Fraktionschef Siegmund setzt auf Inszenierung in sozialen Medien

Siegmund ist gelernter Kaufmann und hat einen Bachelorabschluss in Wirtschaftspsychologie. Seit 2016 sitzt er im Landtag von Sachsen-Anhalt. In seiner Fraktion gilt er laut Medienberichten als rhetorisch versiert, inhaltlich jedoch oft oberflächlich. Bundesweit relevant wird er vor allem durch seine immer wichtigere Rolle als Social-Media-Performer für die AfD.

Auch Siegmund selbst fällt mit klaren Positionierungen auf, etwa wenn er „Remigration“ als „Gebot der Stunde“ bezeichnet, berichtete der Spiegel. Dennoch überlagert sein Auftreten in sozialen Medien häufig die Debatte über Inhalte – und trägt damit zur Normalisierung der Partei bei.

Dobrindt sieht in der AfD trotz laufender Klage klar eine rechtsextremistische Partei

Dass die Partei aus Sicht des Inlandsnachrichtendienstes in den vergangenen fünf Jahren deutlich radikaler geworden ist, scheint immer weniger Wählerinnen und Wähler zu stören. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte Anfang Mai mitgeteilt, dass es die AfD fortan als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufen werde. Wegen einer Klage der AfD gegen diesen Schritt legte die Behörde die Einstufung aber bis zur gerichtlichen Klärung auf Eis. 

Laut der Deutschen Presse-Agentur erklärte Innenminister Dobrindt, sein Ministerium äußere sich wegen des laufenden Verfahrens nicht zum künftigen Umgang mit der Partei. Gleichzeitig betonte der CSU-Politiker am Mittwoch erneut in einem Interview bei Sat.1: „Ich persönlich habe allerdings überhaupt keinen Zweifel daran, dass wir es hier mit einer rechtsextremistischen Partei zu tun haben.“

Wahlumfragen sind nie ganz genau. Viele Menschen legen sich erst kurz vor der Wahl fest oder fühlen sich keiner Partei mehr dauerhaft verbunden. Das macht es für die Institute schwer, ihre Zahlen richtig einzuordnen. Deshalb zeigen Umfragen nur die Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung – sie sagen nicht voraus, wie die Wahl am Ende ausgeht. (jal/dpa)

Rubriklistenbild: © Heiko Rebsch/dpa

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