Bedrohung durch Wladimir Putin

Polen-Wahl: Donald Trump umschmeichelt – „An Bord holen“

Polen bestimmt seinen Präsidenten. Die Gefahr durch Wladimir Putins Russland und das Werben um Donald Trumps USA dominieren die Wahl des deutschen Nachbarn.

Warschau - Die Polen gehen am 1. Juni an die Wahlurnen, um einen neuen Präsidenten zu wählen. An diesem Sonntag wird eine Stichwahl zwischen Rafał Trzaskowski und Karol Nawrocki entscheiden.

Präsidentschaftswahl in Polen: Außenpolitik Donald Trumps im Fokus

Der 52-jährige Trzaskowski ist Oberbürgermeister der Hauptstadt Warschau, der 42-jährige Nawrocki ist ein Historiker und der Leiter des Instituts für Nationales Gedenken (IPN). Gerade der in Danzig an der Ostsee geborene Geschichtswissenschaftler gilt mit Blick auf den Ukraine-Krieg und das Moskau-Regime von Kreml-Autokrat Wladimir Putin als besonders Russland-kritisch.

Beide Kandidaten suchen laut eines Experten dagegen entschieden die Annäherung zu US-Präsident Donald Trump und den Vereinigten Staaten. Und so rückt der polarisierende Republikaner wegen seiner unberechenbaren Außenpolitik erneut bei einer sehr wichtigen Wahl außerhalb der USA in den Fokus.

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Donald Trump
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Polen-Wahl 2025: Bindung an Donald Trumps USA gilt laut Experte als alternativlos

„Die Bindung an die USA wird in Polen als alternativlos betrachtet – und zwar parteienübergreifend. Trumps sprunghafte und schwer berechenbare Politik hat in Polen zweifellos Besorgnis hervorgerufen, zumal Polen ja seit Jahren vor der russischen Revisionspolitik gewarnt und 2022 dann leider Recht behalten hat“, erklärt Dr. Jens Boysen von der Civitas University in Warschau gegenüber FR.de von IPPEN.MEDIA. Der Hesse ist Historiker und Politologe mit Schwerpunkt Mittel- und Osteuropa und hat sich in seiner Forschungsarbeit auf deutsch-polnische Beziehungen spezialisiert.

In der polnischen Hauptstadt ist er Professor für den Fachbereich Internationale Beziehungen. Boysen bekräftigt auf Anfrage: „Man glaubt hier unverändert an die westliche Wertegemeinschaft und denkt auch nicht, dass Trump wirklich prorussisch ist. Aber ihm fehlt erkennbar das Bedrohungsgefühl, das die Politik der europäischen Länder gerade an der Nato-Ostflanke bestimmt.“ Mehrere europäische Spitzenpolitiker hatten in den vergangenen Monaten seit Trumps Amtsübernahme im Weißen Haus Befürchtungen geäußert, die Amerikaner könnten sich unter dem 78-Jährigen ganz oder zumindest teilweise aus dem Militärbündnis Nato zurückziehen.

Für den Politikwissenschaftler Dr. Jens Boysen ist die russische Bedrohung in Polen allgegenwärtig. Dieses Foto zeigt einen Grenzübergang zu Belarus.

US-Streitkräfte in Polen: Raketenabwehrbasis in Redzikowo, Militärflugplatz in Rzeszow

Laut offizieller Website der Republik Polen sind „insgesamt etwa 10.000 Soldaten der US-Streitkräfte in Polen stationiert, hauptsächlich im Rahmen einer Rotationspräsenz“. Unter anderem koordiniert das V Corps Forward Headquarter von Posen aus die in Europa stationierten US-Bodentruppen sowie die operative Zusammenarbeit und Synchronisierung der US-Streitkräfte mit den Truppen anderer Nato-Staaten. In Westpolen ist eine gepanzerte Kampfbrigade stationiert, auf dem Militärflugplatz Powidz eine Kampffliegerbrigade. Internationale Aufmerksamkeit bekam die US-Raketenabwehrbasis Aegis Ashore in Redzikowo bei deren Eröffnung im November 2024. Die Soldaten dort sollen ballistische Lang- und Mittelstreckenraketen abwehren können.

Anfang April 2025 hatte Washington dagegen erklärt, es werde US-Soldaten vom ostpolnischen Militärflughafen Rzeszow abziehen. Dieser mit mehreren Patriot-Flugabwehr-Batterien – auch durch die Bundeswehr – geschützte Flugplatz gilt als wichtiger Logistikhub für die Waffen-Lieferungen an die durch das Putin-Regime heimtückisch überfallene Ukraine. Warschau beschwichtigte seinerzeit. „Die polnische Politik arbeitet intensiv daran, die US-Regierung durch positive Argumente wieder ‚an Bord‘ zu holen. Die teilweise in Aussagen der deutschen, britischen oder französischen Regierung anklingende Idee, man würde das notfalls auch ohne die Amerikaner schaffen, ist in Polen wenig populär“, erklärt Experte Boysen: „Gerade, weil man hier ein realistisches Bild der russischen militärischen Fähigkeiten hat.“

15. August 2024: Abrams-Kampfpanzer der Amerikaner bei einer Militärparade in Warschau.

Trotz Donald Trump: Polen wirbt um US-Soldaten im Land und an Nato-Ostflanke

Aktuell warnen etwa die Ukrainer vor einem möglichen russischen Angriff auf die Nato. „In Polen werden die USA seit jeher als der einzige wirklich verlässliche Sicherheitsgarant angesehen. Das zeigt sich auch daran, dass Polen zwar die verschiedenen Initiativen der EU aus den letzten Jahren mitgetragen hat, bei denen es um die Erhöhung der militärischen Leistungsfähigkeiten sowie um ein effizienteres und günstigeres Beschaffungswesen ging“, erzählt Politologe Boysen FR.de von IPPEN.MEDIA: „Dennoch hat Polen stets betont, dass die ‚harten‘ Elemente der Verteidigung Europas in amerikanischer Hand bleiben sollten.“

Darum würden sich „auch alle polnischen Regierungen um möglichst enge politische und militärische Beziehungen zu den USA bemühen, unabhängig davon, wer gerade in Warschau oder in Washington an der Regierung ist“, erklärt er und ordnet ein: „Auch im aktuellen polnischen Präsidentschaftswahlkampf ist es ein wichtiges Argument, welcher Kandidat die beste Diplomatie gegenüber den USA gewährleisten würde. Natürlich sind auch hier die anhaltenden Bemühungen darum zu nennen, amerikanische Truppen in Polen zu stationieren.“ (pm)

Rubriklistenbild: © Montage IPPEN.MEDIA / IMAGO / Zoonar / UPI Photo

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