Münchener Migrationsgipfel

Rückkehrzentren, Afghanistan und Co.: Dobrindts Plan für die große Migrationswende

Dobrindt wirbt für Return Hubs außerhalb der EU. Abschiebungen sollen ausgeweitet, Arbeit früher erlaubt werden. Kommunen hoffen auf Entlastung.

München/Berlin – Schwarz-Rot verschärft den Migrationskurs: Innenminister Alexander Dobrindt treibt Rückkehrzentren nahe der Herkunftsregionen voran, will Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan ermöglichen und die Jobaufnahme für Asylbewerber beschleunigen. Am Samstag (4. Oktober) soll in München ein Gipfel mit europäischen Amtskollegen die nächsten Schritte klären. Die Bundesregierung setzt damit auf eine Mischung aus Abschreckung, Druck und Integration, die europaweit abgestimmt werden soll.

Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister (CSU), treibt seine „Migrationswende“ voran: Er wirbt für Rückkehrzentren außerhalb Europas, will Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan ausweiten und Asylbewerbern früheren Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen.

Der CSU-Politiker spricht von einer „Migrationswende“, die er durchsetzen will. Während die Zahl der Asylbewerber zuletzt deutlich gesunken ist, setzen Union und SPD auf strengere Regeln, um weitere Zuwanderung zu begrenzen. Kritiker warnen jedoch, der Kurs sei vor allem Symbolpolitik, die rechtlich auf wackeligem Fundament stehe und die Kommunen nur langsam entlaste.

Dobrindts Plan für die große Migrationswende

Deutschland lotet mit EU-Partnern neue sogenannte „Return Hubs“ aus, die abgelehnte Asylbewerber aufnehmen sollen, wenn Rückführungen ins Herkunftsland scheitern. Dobrindt sagte dazu dem Münchner Merkur: „Wir wollen beim Vorhaben der return hubs vorankommen.“ Die Zentren sind nach dem Vorbild britischer und italienischer Modelle gedacht, die ähnliche Abkommen mit Drittstaaten versuchen.

Die geplanten Einrichtungen sollen gemäß AFP „möglichst nah an den Herkunftsländern“ liegen, um eine schnelle Rückkehr zu ermöglichen. Über konkrete Standorte werde in Europa derzeit diskutiert, ein Beschluss steht noch aus. Berlin strebt EU-rechtliche Grundlagen an, schließt aber eine „vernetzte Zusammenarbeit“ einzelner Mitgliedstaaten nicht aus, falls Brüssel keine Lösung liefert.

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Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan – heikle Mission für Dobrindt

Parallel drängt Dobrindt auf mehr Rückführungen, auch in schwierige Zielstaaten. Er erklärte seine Bereitschaft zu persönlichen Gesprächen in Damaskus und betont laut n-tv.de: „Der Maßstab wird sein: Wer sich integriert hat, wer arbeitet, der hat eine Chance, in Deutschland zu bleiben. Für alle anderen wollen wir die Ausreisepflicht durchsetzen.“ Damit würde Deutschland einen Weg beschreiten, den bisher nur wenige EU-Staaten ernsthaft gehen.

Recherchen zeigen zudem Sondierungen der Bundesregierung zu weiteren Abschiebeflügen nach Afghanistan, schreibt der Spiegel. Kontakte laufen über Katar, Gespräche auf Arbeitsebene stehen bereits im Raum, und auch eine Reise deutscher Beamter nach Kabul wird erwogen. Politische und völkerrechtliche Hürden bleiben erheblich, da die Taliban nicht international anerkannt sind.

Arbeitserlaubnis nach drei Monaten: Integration durch Jobs

Als zweites Signal kündigt der Minister eine deutliche Joböffnung an. „Ich ändere gerade die gesetzliche Grundlage. Auch wenn jemand noch im Asylverfahren ist, soll er nach drei Monaten arbeiten dürfen“, so Dobrindt. Ziel ist, Integrationsbereitschaft früh sichtbar zu machen und Sozialleistungen zu entlasten.

Kommunen hoffen, dass schnellere Arbeitsaufnahmen Unterkünfte entlasten und Betreuungsangebote ergänzen. Gleichzeitig verweisen Praktiker, notiert BR24, auf Engpässe bei Wohnraum, Sprachkursen und Arbeitsplätzen, die den Effekt abmildern könnten. Die praktische Wirkung wird sich erst im Alltag zeigen, wenn Asylbewerber tatsächlich Arbeitsverträge unterschreiben und unabhängig vom Sozialetat werden.

„Munich Migration Meeting“ am 4. Oktober

ThemaInformation
VeranstaltungMunich Migration Meeting
Datum4. Oktober 2025
OrtBayerischer Hof, München
VeranstalterBundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU)
TeilnehmerEuropäische Innenminister (u.a. Frankreich, Italien, Polen), EU-Innenkommissar, weitere Ressortchefs
HauptthemenMigrationswende in Europa, Asylpolitik, Rückkehrzentren, Lockerung von Arbeitsverboten für Asylbewerber
ZielGemeinsame europäische Migrationspolitik vorantreiben, Rückführungen verbessern, Arbeitsmarktintegration fördern

Dobrindts „Munich Migration Meeting“: Signal oder Substanz?

Zum „Munich Migration Meeting“ werden unter anderem Frankreichs Innenminister Bruno Retailleau, Italiens Matteo Piantedosi sowie EU-Innenkommissar Magnus Brunner erwartet. Der Gipfel soll Rückkehrabkommen, Grenzmanagement und die „Return Hubs“ voranbringen. Dobrindt setzt auf eine enge europäische Koordination, um nationalen Alleingängen vorzubeugen.

Bereits im Juli hatten mehrere Staaten vereinbart, das „Verbindungskriterium“ im EU-Recht abzuschaffen, das Transfers in sichere Drittstaaten ohne individuellen Bezug erschwert. Juristen warnen vor erheblichen Klagerisiken, die solche Pläne langfristig blockieren könnten. Befürworter sehen darin hingegen ein notwendiges Signal, um irreguläre Migration dauerhaft einzudämmen.

Migration in Deutschland: Zahlen sinken – Ursachen bleiben umstritten

Die Asylerstanträge in Deutschland sind deutlich rückläufig: Von Januar bis August registrierte das BAMF 78.246 Erstanträge – etwa halb so viele wie im Vorjahreszeitraum. Bayern meldet ebenfalls starke Rückgänge seit 2023, besonders bei syrischen Flüchtlingen. Diese Entwicklung gilt als wichtiges Argument für die Union, ihre „Migrationswende“ als Erfolg zu verkaufen.

Ob der Rückgang wirklich am Knallhartkurs liegt, ist jedoch stark umstritten. Experten, heißt es im Spiegel, verweisen auf externe Faktoren wie die politische Lage in Syrien, Abkommen mit nordafrikanischen Staaten und insgesamt veränderte Fluchtbewegungen. Symbolik und Rechtskonflikte begleiten die Politik weiterhin, während die Belastung in den Kommunen nur langsam nachlässt. (Quellen: n-tv.de, Spiegel, BR24, dpa, AFP, RND) (chnnn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

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