Stabilisierungstruppe geplant
Gaza-Friedensplan geht weiter: USA verkünden zweite Phase
Trump stellte den Plan im September vor. Kernpunkt ist die Entwaffnung der Hamas. Israel soll sich dafür schrittweise aus Gaza zurückziehen.
Gaza/Washington, D.C. – Gut ein Jahr nach Inkrafttreten der Waffenruhe im Gazastreifen steht der Friedensprozess vor seiner bislang größten Bewährungsprobe. Die USA haben den Beginn der zweiten Phase des Abkommens verkündet – jener Phase, in der die Hamas entwaffnet und eine neue Ordnung für das zerstörte Küstengebiet geschaffen werden soll. Doch ob das ambitionierte Vorhaben gelingt, ist alles andere als sicher
Nach Angaben der USA ist der Gaza-Friedensplan in seine zweite Phase eingetreten. Im Mittelpunkt stünden nun die Entwaffnung der Hamas, die Einsetzung einer technokratischen Übergangsregierung und der Beginn des Wiederaufbaus, teilte US-Sondergesandter Steve Witkoff auf der Plattform X mit. Von der islamistischen Hamas erwarteten die USA die vollständige Erfüllung ihrer Verpflichtungen, einschließlich der sofortigen Rückgabe der letzten toten Geisel. Andernfalls drohten „schwerwiegende Konsequenzen“, so Witkoff.
Friedensprozess vor größter Bewährungsprobe: USA verkünden Beginn der zweiten Phase in Gaza
Zeitgleich wurden in Kairo die Mitglieder der Übergangsregierung bekanntgegeben. Das 14-köpfige Komitee aus palästinensischen Technokraten soll den großflächig zerstörten Gazastreifen vorübergehend verwalten. Geleitet wird es von Ali Schaath, einem früheren stellvertretenden Verkehrsminister der Palästinensischen Autonomiebehörde. Palästinensischen Beobachtern zufolge haben alle Mitglieder, darunter eine Frau, keinerlei Verbindungen zur Hamas – wie es der Friedensplan vorsieht.
Das Gremium solle „sofort alle Aufgaben und alle Verantwortungen im Gazastreifen übernehmen“, hieß es von den Teilnehmern des Treffens laut Al-Kahira News. Israel hatte sich in der Vergangenheit vehement dagegen ausgesprochen, dass die Autonomiebehörde künftig eine Rolle im Gazastreifen spielen könnte.
Schock-Momente und große Eklats: So turbulent war das Politik-Jahr 2025




Gremium soll alle Aufgaben übernehmen: Israel war gegen Rolle der Autonomiebehörde in Gaza
Ausgelöst worden war der Krieg durch das beispiellose Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023. Israel griff daraufhin Ziele der Hamas in dem Küstengebiet an. In zwei verheerenden Kriegsjahren wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 71.000 Palästinenser getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Die Verhältnismäßigkeit der israelischen Reaktion ist weiterhin Gegenstand von Debatten.
Im September 2025 hatte US-Präsident Donald Trump den Friedensplan vorgestellt, kurz darauf trat die Waffenruhe in Kraft. Im Rahmen der ersten Phase sollten alle Entführten und die Leichen der Geiseln übergeben werden – die sterblichen Überreste eines Israelis befinden sich jedoch weiterhin im Gazastreifen.
Israel soll Gebiete schrittweise übergeben: Ob Übergang zur zweiten Phase gelingt, bleibt ungewiss
Kernpunkt der zweiten Phase ist die Entwaffnung der Hamas. Die militante Palästinenserorganisation lehnt dies bislang ab. Mitglieder, die sich zu einer friedlichen Koexistenz mit Israel und zur Niederlegung ihrer Waffen verpflichten, sollen Amnestie erhalten. Vorgesehen ist zudem eine internationale Stabilisierungstruppe, die im Gazastreifen für Ordnung sorgen soll – ihre genaue Zusammensetzung ist allerdings noch offen. Ein internationaler „Friedensrat“ unter Leitung von Trump soll die Übergangsregierung beaufsichtigen und die Stabilisierungstruppe aufbauen.
Die israelische Armee soll aus dem Großteil des Gazastreifens abziehen und bislang gehaltene Gebiete schrittweise übergeben. Ob der Übergang zur zweiten Phase am Ende tatsächlich gelingt, bleibt jedoch ungewiss. Viele Punkte sind noch ungeklärt, und die Verhandlungen dürften wegen starker Differenzen zwischen den Kriegsparteien noch schwieriger werden als über die erste Phase. (Quelle: dpa) (tpn)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Andrew Leyden
