Drohen Neuwahlen?

Schon wieder Regierungskrise in Frankreich – Was die gescheiterte Vertrauensfrage bedeutet

Frankreichs Premierminister ist bei der Vertrauensfrage gescheitert. In Paris droht nun die nächste Krise. Wie es jetzt weitergeht.

Paris – In Frankreich ist die Regierung des amtierenden Premierministers François Bayrou gestürzt. Am Montagabend (8. September) verlor der Vorsitzende der Partei „Demokratische Bewegung“ eine Vertrauensabstimmung in der Nationalversammlung in Paris. 194 Stimmen konnte Bayrou für sich gewinnen – 364 wählten ihn dann aus dem Amt.

Frankreich-Wahl 2027: Verurteilte Le Pen will Präsidentin werden – eine Karriere in Bildern

Frankreich: Rassemblement National von Marine Le Pen.
Europawahl - Frankreich
Jean-Marie Le Pen
1. Mai in Paris
Frankreich-Wahl 2027: Verurteilte Le Pen will Präsidentin werden – eine Karriere in Bildern

Haushaltsdebatte lässt Regierung in Frankreich platzen – Bayrou verliert Vertrauensfrage

Bayrou hatte die Vertrauensfrage gegen sich selbst angestoßen. Hintergrund war ein Streit um massive Einsparungen im französischen Haushalt. 44 Milliarden Euro wollte der Premier im Haushalt freimachen, um gegen die massive Staatsverschuldung Frankreichs anzugehen.

Widerstand kam dabei vor allem aus der Opposition. Sowohl das rechte, als auch das linke Lager kündigten bereits vor der Abstimmung an, bei der Vertrauenswahl gegen Bayrou stimmen zu wollen, was wohl schlussendlich zur Niederlage des Premierministers geführt hat.

Frankreich ist nach Griechenland und Italien das Land im Euroraum mit der höchsten Schuldenquote. Absolut führt das Land von Präsident Emmanuel Macron sogar. Ganze 3.300 Milliarden Euro beträgt der Schuldenberg des deutschen Nachbarlandes.

Bayrou verliert Vertrauensfrage in Frankreich – Wie es jetzt weitergeht

Mit der verlorenen Vertrauensfrage ist das Mitte-Rechts-Bündnis des französischen Premiers gescheitert. Auch für den französischen Präsidenten Macron ist das eine herbe Niederlage – wenn auch kein Rücktrittsgrund. Innerhalb von einem Jahr stürzt mit Bayrou der zweite Ministerpräsident. Im Dezember brachte die Opposition bereits Michel Barnier zu Fall. Weil sich Macron wohl eine Mitschuld an der Krise geben lassen muss, wird der Druck auf ihn voraussichtlich steigen. Landesweite Blockaden, branchenübergreifende Streiks und eine erstarkende Rechte, geführt von Marine Le Pen, bringen den Präsidenten in Bedrängnis.

Nun muss Macron aber zunächst einen neuen Premierminister ernennen. Bis dieser Schritt vollzogen ist, bleibt die aktuelle Regierung wohl zunächst geschäftsführend im Amt. Erwartet wird, dass der Präsident so schnell wie möglich einen neuen Premier ernennt, um Stabilität zu demonstrieren. Die Suche dürfte sich aber ohne klare Mehrheitsverhältnisse im Unterhaus schwierig gestalten.

Frankreichs Premierminister François Bayrou (l.) ist bei der Vertrauenswahl im Parlament gescheiter. (Archivbild)

Regierungskrise in Frankreich – Kommen jetzt wieder Neuwahlen auf Macron zu?

Als Ultima Ratio bliebe Macron noch die Auflösung der Nationalversammlung übrig. Dann müsste der Präsident erneut Neuwahlen ausrufen. Allerdings hat er bereits erklärt, auf dieses Mittel nicht zurückgreifen zu wollen. Sollte die Suche nach einem Premierminister scheitern, wären Neuwahlen allerdings denkbar.

Fragt man allerdings die Bevölkerung Frankreichs, so scheint sich eine Mehrheit vorgezogene Neuwahlen zu wünschen. Laut einer Umfrage würden knapp zwei Drittel vorgezogene Präsidentschaftswahlen begrüßen. Macron will aber laut eigener Aussage bis 2027, also bis zum nächsten regulären Wahltermin, im Amt bleiben. Bei einer Neuwahl der Nationalversammlung und dem Senat dürften sich weiteren Umfragen zufolge allerdings keine großen Veränderungen zeigen, wie etwa der Deutschlandfunk berichtete. (nhi mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © TOM NICHOLSON/AFP

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare