Migrations-Kurs der Merz-Regierung

Dobrindt verlängert Kontrollen trotz sinkender Asylzahlen: Grenz-Politik ohne Ausstiegsplan?

Im Rückgang der Asylanträge sieht Innenminister Dobrindt seinen Migrations-Kurs bestätigt. Experten sprechen von anderen Ursachen – außerhalb von Deutschland.

Berlin – Rund vier Monate ist es her, dass Innenminister Alexander Dobrindt verstärkte Kontrollen an den deutschen Grenzen angeordnet hat – im gleichen Zuge erfolgte die umstrittene Anordnung für Zurückweisungen von Asylsuchenden. Die Binnengrenzkontrollen werden nun um weitere sechs Monate bis März 2026 verlängert.

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Die Maßnahme soll temporär sein, betont das Innenministerium – doch wann sie endet, bleibt unklar. Eine konkrete Angabe zur Ausstiegsstrategie lässt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) offen.

Dobrindt verlängert Grenzkontrollen – Ende der Maßnahme bleibt offen

Ein Sprecher des Innenministeriums begründet die Grenzkontrollen auf Anfrage unserer Redaktion mit der Notwendigkeit, das „irreguläre Migrationsgeschehen zu ordnen“. Die Kontrollen seien „eine von vielen Maßnahmen“, mit dem die Bundesregierung „der Belastung der Systeme in Deutschland durch das insgesamt zu hohe Migrationsgeschehen“ entgegenwirken wolle. „Daneben müssen die Pull-Faktoren nach Deutschland reduziert werden.“ Der Sprecher erklärt: „Diesen Weg wird die Bundesregierung konsequent weitergehen.“

Als „wichtige Faktoren“ für eine mögliche Beendigung der deutschen Grenzkontrollen nennt er eine „nachhaltige Reduzierung des irregulären Migrationsgeschehens“, einen „effektiven Außengrenzschutz“ und die „Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS)“. Konkrete Zahlen oder Zeitpläne bleiben jedoch aus.

Grenzkontrollen: Innenminister Alexander Dobrindt und Bayerns Ministerpräsident Marcus Söder.

Sinkende Asylzahlen: Dobrindt sieht seinen Kurs bestätigt – „migrationspolitische Wende zeigt Wirkung“

Die Zahl der Asylanträge hat sich schon jetzt deutlich reduziert: Im Zeitraum Januar bis Juli 2025 lag die Zahl der Erstanträge etwa 50 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Am Dienstag (2. September) berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf interne Behördenzahlen von einem weiteren Rückgang: Die Zahl der im August 2025 neu ins Land gekommenen Geflüchteten ist demnach im Vergleich zum Vorjahresmonat um 60 Prozent zurückgegangen. Im August 2024 hatte die Zahl noch bei 18.427 gelegen – im August 2025 hätten 7803 Menschen einen Asylantrag gestellt.

Das Innenministerium sieht den Rückgang der Asylzahlen als Ergebnis von Dobrindts Kurs. Der Sprecher des Ministeriums erklärt gegenüber unserer Redaktion unter Verweis auf die Maßnahmen der Regierung: „Die migrationspolitische Wende dieser Bundesregierung zeigt Wirkung.“ Migrationsrechtsexperten sehen hingegen andere Ursachen.

Migrationsrechtler nennt Ursachen für Rückgang der Asylzahlen

Maximilian Pichl, Migrationsrechtler an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden, verweist im Gespräch der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media auf die bereits vor Antritt der schwarz-roten Regierung unter Kanzler Friedrich Merz deutlich gesunkenen Asylzahlen. Darüber hinaus seien die Ursachen vielmehr außerhalb von Deutschland zu suchen: Beispielsweise aus Syrien würden nach dem Sturz des Assad-Regimes weniger Menschen in Deutschland Schutz suchen – „aus Pakistan kommen Menschen nicht mehr raus“, führt der Asylrechtsexperte an.

Auch geht die Zahl der Ankünfte auf Haupt-Fluchrouten nach Europa zurück: unter anderem durch strenge Grenzkontrollen, etwa entlang der Westbalkan-Route und an der polnisch-belarussischen Grenze. „Das sind meines Erachtens die größeren Gründe, warum da Menschen nicht mehr nach Europa kommen können.“ (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank HOERMANN / SVEN SIMON

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