Für die letzten Tage
Happy-End für kranken Hunde-Opi Juno – „War sofort verliebt“
Hund Juno hat nicht mehr lange zu leben und sollte seine letzten Tage nicht im Tierheim verbringen. Jetzt hat er ein neues Zuhause gefunden.
Gelsenkirchen – Juno liegt in der Sonne und hat die Augen zu. Man sieht dem Hund seine Entspannung förmlich an. Zuletzt hatte das Tierheim in Essen ein neues Zuhause für Juno gesucht. Der 14 Jahre alte Rüde hat nicht mehr lange zu leben und sollte seine letzten Tage nicht im Tierheim verbringen. Das muss er auch jetzt auch nicht, denn Kerstin Waschulewski konnte „dem lieben Kerl“ einfach nicht widerstehen, sagt sie im Gespräch mit wa.de.
Hunde-Opa Juno aus Essen sucht ein neues Zuhause
Alles begann mit einem Blick in ihre Facebook-Timeline, sagt Waschulewski. Dabei stieß sie auf einen Beitrag des Tierheims in Essen, das einen Hospiz-Platz für den braunen Hund mit dem wuschigen Felll suchte. „Ich war ganz aufgeregt“, sagt Waschulewski. Eigentlich sei sie noch nicht bereit für einen neuen Hund gewesen. „Ich habe erst letztes Jahr meinen Hunde-Opi verloren.“ Nach einem neuen Zuhause suchen in diesen Tagen auch Chapo, Valerie und Jonas – die drei teilen ein trauriges Hundeschicksal.
Der Verlust habe ihr beinahe das Herz gebrochen, sagt Waschulewski und hält kurz inne. „Aber in Juno habe ich mich sofort verliebt.“ Sie habe sich eine Stunde gesammelt und dann beim Tierheim angerufen. Einen Tag später lernt Waschulewski Juno kennen. „Erst hat er mich mit dem Arsch nicht angeguckt“, sagt sie und lacht.
Dazu muss gesagt sein: Juno hört nicht mehr so gut. Auch seine Sicht ist eingeschränkt. „Wir waren eine halbe Stunde spazieren“, berichtet Waschulewski. Dann ist für sie klar: Sie will den Hunde-Senior mit nach Hause nehmen. „Ich habe extra die Wohnung umgeräumt und die Kissen von meinem alten Hund herausgeholt. Ich war bereit.“
Junos neue Besitzerin: „Habe erst einmal geheult“
Dann heißt es Warten, denn das Tierheim-Team muss sich erst noch besprechen. „Das hat so lange gedauert“, sagt Waschulewski. „Ich bin schon ganz unruhig geworden.“ Doch dann ist es so weit. Eine Mitarbeiterin vom Tierheim kommt auf Waschulewski zu. „Als sie gesagt hat, dass ich Juno mitnehmen kann, habe ich erst einmal geheult“, berichtet Waschulewski. Dann hält sie noch einmal kurz inne. „Es geht schon wieder los“, sagt und lacht – mit wässriger Stimme. „Ich bin sehr dankbar.“
Jetzt wohnt Juno mit seiner neuen Besitzerin in Gelsenkirchen. „Ich wohne in einer ganz ruhigen Gegend“, sagt sie. Direkt in der Nähe ist eine Hundewiese. „Hier ist überall Wald in der Nähe.“ Und so verbringen die beiden nun ihre Tage miteinander. „Es ist unglaublich, wie man ein Tier in so kurzer Zeit in sein Herz schließen kann“, sagt Waschulewski.
Juno habe ein sanftes und ruhiges Wesen. „Das passt gut, ich bin nämlich auch so eine Ruhige“, sagt die 61-Jährige. Und noch etwas haben Hund und Mensch gemeinsam: Sie sind am liebsten draußen. In den ersten Tagen seien sie alle zwei Stunden spazieren gewesen. „Erst dachte ich, weil der Hund mal musste“, berichtet Waschulewski. „Aber jetzt bin ich mir sicher: Er will die Welt erkunden.“
Juno lebt sich im neuen Zuhause ein – und hat großen Lebenswillen
Sie beobachte einen unglaublichen Lebenswillen und Neugier in dem Hund. „Das ist so schön zu sehen.“ Trotzdem sei Juno anzumerken, dass er schon ein Senior ist. „Er frisst leider nicht mehr so gut“, sagt Waschulewski. Vielleicht verarbeitet das Tier noch den Verlust seines eigenen Frauchens, das sich nicht mehr um ihn kümmern konnte. Vielleicht ist es auch das Alter. Andere Hunde leiden übrigens schon zu Beginn ihres Lebens: So etwa der Hunde-Welpe Ozzy, der wohl Opfer der polnischen Hundemafia geworden ist.
Wie geht Waschulewski damit um, dass Juno nicht mehr lange zu leben hat? „Es wird mir wahrscheinlich wieder das Herz brechen“, sagt sie. Eigentlich reist die 61-Jährige, die nach schwerer Krankheit nicht mehr arbeitet, gerne durch Deutschland. Am liebsten an die Ostsee. Sie will ihr Auto zu einem Camper umbauen. Doch all das hat sie für Juno erst einmal auf Eis gelegt. „Wir genießen jeden Tag, den wir gemeinsam haben.“ (ebu)
Rubriklistenbild: © Kerstin Waschulewski


