Baron 1898
Zeche aus dem Ruhrgebiet war die Inspiration für Achterbahn in den Niederlanden
Bewohner des Ruhrgebiets finden im Freizeitpark Efteling in den Niederlanden ein Stückchen Heimat. Die Achterbahn Baron 1898 ist im Stile einer alten Zeche gestaltet.
Hamm - Mal wird man aus einem Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch steht, geschossen. Mal wird man ins Weltall katapultiert, um Abenteuer mit der Sternenflotte zu erleben. Und manchmal muss man es sogar mit gruseligen Flüchen aufnehmen, die einen wortwörtlich auf den Kopf stellen. Wer heutzutage in einem Freizeitpark in eine Achterbahn steigt, erlebt meist mehr als nur eine rasante Fahrt. Oft sind die Anlagen aufwendig thematisiert und erzählen vor und während der Fahrt sogar kleine Geschichten.
Der Park Efteling in den Niederlanden bietet viele Themenwelten und Fahrgeschäfte, die die Besucher in andere Welten verschlagen sollen. „Storytelling ist uns enorm wichtig“, heißt es passenderweise von einem der Verantwortlichen in einem der vielen Youtube-Videos, die der Freizeitpark regelmäßig veröffentlicht. Ein gutes Beispiel dafür ist die Achterbahn Baron 1898. Für die Gestaltung der Attraktion haben sich die Verantwortlichen von einer Zeche im Ruhrpott in NRW inspirieren lassen. Was auch Auswirkungen auf den Bauprozess hatte.
Zeche aus dem Ruhrpott war Inspiration für Achterbahn in Efteling
Für die im Jahr 2015 eröffnete Bahn wurde während der Bauphase beispielsweise ein unterirdischer Tunnel angelegt, ein Fördermaschinenhaus gebaut und mehr oder weniger ein ganzer Bergwerkskomplex erschaffen. Als Material wurde zu einem großen Teil Stahl und Backstein verwendet – nicht unbedingt die gewöhnliche Material-Zusammenstellung, wenn man an Achterbahnen denkt. Das Fördermaschinenhaus steht dabei im Zentrum der gesamten Anlage. Hier befanden sich in echten Zechenanlagen früher die Aufzüge, mit denen die Bergbauarbeiter unter Tage fuhren. In Efteling steigen die Besucher hier folgerichtig in einen der Achterbahnzüge ein. An dieser Stelle beginnt das Abenteuer.
Einer der für den Bau der Achterbahn Verantwortlichen beschreibt in einem Making-of-Video des Parks den Baron 1898 als „eine ausgezeichnete Kombination aus Stahl und Storytelling.“ Dass die Achterbahn seit knapp zehn Jahren erfolgreich die Besucher zu Kumpels werden lässt und in eine schaurige, übernatürliche Story im Bergbau-Setting schmeißt, kommt nicht von ungefähr. Denn die Designer schauten sich nicht nur Bilder von echten Zechen an.
Ein Teil des Kreativteams hat vor dem Bau des Barons 1898 einen Ausflug nach Essen gemacht und ein echtes Bergwerk besucht: die Zeche Zollverein. Dabei achteten die Künstler vor allem auf Details, die in und an den Gebäuden zu finden waren. „Wir haben uns hier sowohl draußen als auch drinnen nach typischer Bergbau-Architektur umgeschaut“, erzählt ein Mitarbeiter des Kreativteams in einem der offiziellen Hintergrund-Videos zum Bau der Attraktion. „Die Ziegel, die Konstruktion, die gesamte Atmosphäre, das Straßenpflaster. Es ist eine enorme Quelle der Inspiration, aus der wir schöpfen können.“
Ruhrpott in den Niederlanden: In Efteling steht eine Achterbahn im Zechen-Stil
Und so können die Besucher von Efteling, die aus dem Ruhrpott anreisen, in gewisser Weise ein kleines Stück Heimat mitten in dem Märchen-Park finden. Die Story der Bahn wiederum basiert nicht auf wahren Ereignissen, die sich auf dem Bergwerk in Essen ereignet haben. Stattdessen wird eine niederländische Legende von Geistern, die Gold beschützen, aufgegriffen. Denn der Baron Hooghmoed hat den Minenkomplex errichtet, weil in einem alten Kohlebergwerk Gold gefunden wurde. Die Freizeitparkbesucher sollen im Auftrag des Barons in die Mine fahren und den Schatz bergen – doch auf dem Weg kappen die Geister das Tragseil und die Fahrenden stürzen in die Tiefe.
Bevor sich nun aber jeder Ruhrpott-Fan und Zechen-Liebhaber in das actionreiche Geister-Abenteuer stürzen möchte, sollte man beachten, dass nicht jeder für die Fahrt mit dem Baron 1898 geeignet ist. Folgende Regeln gelten:
- Wer mitfahren möchte, muss mindestens 1,32 Meter groß sein
- Für Schwangere nicht geeignet
- Wer Verletzungen hat, darf nicht mitfahren
- Wer einen Herzschrittmacher hat, darf ebenfalls nicht mitfahren
- Für Rollstuhlfahrer ist eine Mitfahrt möglich
Die Sicherheitshinweise werden nicht grundlos gegeben. Denn bei der Achterbahn handelt es sich um einen sogenannten Dive Coaster des Herstellers Bolliger & Mabillard (B&M). Bei diesem Achterbahn-Typ ist die erste Abfahrt meist knapp 90 Grad steil. Der Achterbahnzug rast also nahezu senkrecht in die Tiefe und taucht – daher der Name Dive Coaster – für einen kurzen Moment in einen unterirdischen Tunnel ein. Besonders gemein: Vor der Abfahrt hält der Zug einen kurzen Moment an, sodass die Passagiere gezwungen sind, in den Abgrund zu schauen, ehe der Absturz beginnt.
Wer den Baron 1898 bereits gefahren ist und auch sonst schon alle Fahrgeschäfte in Efteling auswendig kennt, muss nicht mehr lange auf Nachschub warten. Schon im Herbst 2024 soll eine neue Großattraktion und ein ganzer Themenbereich neu eröffnen. Der sich ebenfalls in den Niederlanden befindende Park Toverland bietet 2024 zwar keine große Neuheit, hat dafür so einige Events im Kalender stehen. Wer generell mit einem Ausflug in einen Freizeitpark liebäugelt, sollte überlegen, ob sich der Geburtstag dafür nicht anbietet. Denn Geburtstagskinder bekommen in vielen Freizeitparks vergünstigten Eintritt.