Wird Bargeld abgeschafft?

Änderung betrifft alle Bankkunden – Digitaler Euro in Planung

Der digitale Euro ist ein großes europäisches Projekt. In NRW wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Von Sparkassen und Volksbanken gibt es Kritik.

Hamm – Der digitale Euro beschäftigt längst nicht mehr nur Politik und Zentralbank – auch die Banken in NRW bereiten sich darauf vor, dass in den kommenden Jahren eine völlig neue Form des Bezahlens auf sie und ihre Kundinnen und Kunden zukommt. Der digitale Euro soll eine zusätzliche, staatlich garantierte Bezahlform werden – eine Art elektronisches Bargeld, das direkt von der Europäischen Zentralbank herausgegeben wird. Ziel ist eine europaweit einheitliche, sichere und kostenlose Zahlungsmöglichkeit, die sowohl online als auch offline funktioniert und bei der sensible Zahlungsdaten besser geschützt sein sollen als bei vielen heutigen Bezahldiensten. Der digitale Euro soll Bargeld nicht ersetzen, sondern es ergänzen.

Es gibt Entwarnung: Der digitale Euro wird Bargeld nicht abschaffen. (Montage/Symbolbild)

Für Verbraucherinnen und Verbraucher im Land gilt allerdings erst einmal Entwarnung: „Aktuell besteht kein Handlungsbedarf. Der digitale Euro ist noch nicht eingeführt“, betont der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) gegenüber wa.de, dessen Institute in fast jeder nordrhein‑westfälischen Stadt und Gemeinde vertreten sind. Eine mögliche Einführung sei „voraussichtlich ab Ende 2029“ denkbar – frühestens.

Digitaler Euro: Banken in NRW bereiten sich vor

Die Sparkassen im ganzen Land verfolgen die Arbeiten der EZB aber schon jetzt ganz genau. Die Verbandsposition ist bislang eher zurückhaltend: „Solange die konkrete Ausgestaltung noch offen ist, also EU‑Verordnung und EZB‑Regelwerk noch nicht final sind, gibt es keine belastbare Umsetzungsplanung.“ Gleichzeitig verbinden die NRW‑Sparkassen große Erwartungen mit einer alltagstauglichen Lösung: Der digitale Euro müsse für Handel und Verbraucher in klassischen Einkaufsstädten wie Essen, Dortmund oder Münster „wirklich funktionieren und einfach nutzbar“ sein. In Richtung EZB wird der Ton deutlich: „Kritisch ist insbesondere eine Doppelrolle der EZB. Aufsicht und Marktteilnahme müssen klar getrennt bleiben.“ Als marktorientiertes Gegenmodell verweisen die Sparkassen auf Wero – ein Bezahlsystem, das bundesweit offenbar immer beliebter wird und derzeit auch bei NRW‑Händlern ausgerollt wird.

Auch die Volksbank Westmünsterland, eine der großen genossenschaftlichen Banken im ländlichen Raum des Münsterlandes, sieht die Entwicklungen aufmerksam, aber ohne Hast. „Die Diskussion um einen digitalen Euro befindet sich weiterhin in einem Entwicklungs- und Entscheidungsprozess“, teilt die Bank auf wa.de-Anfrage mit. Man bereite sich dennoch umfassend vor, etwa durch die Analyse technischer und regulatorischer Folgen für die eigenen Filialen und Geschäftsprozesse. Gleichzeitig spricht die Volksbank Punkte an, die viele NRW‑Kundinnen und -Kunden bewegen dürften: „Fragen des Datenschutzes, der IT‑Sicherheit – Vermeidung von Hackerangriffen oder Datenlecks – sowie der praktischen Alltagstauglichkeit spielen eine zentrale Rolle.“ Was passiert, wenn man sein Smartphone‑Wallet verliert? Wie wird Missbrauch verhindert? Das seien entscheidende Fragen für Vertrauen in der Fläche.

Darüber hinaus blicken die genossenschaftlichen Banken aus NRW auch auf mögliche Auswirkungen auf den regionalen Kreditmarkt. Der Abfluss von Einlagen in einen digitalen Euro könnte „zu einer Verknappung und damit Verteuerung von Krediten führen“ – ein Punkt, der besonders Mittelständler und Privatkunden im Münsterland, im Ruhrgebiet oder am Niederrhein betreffen könnte. Entsprechend klar ist die Erwartung der Volksbank: „Die Stabilität des Finanzsystems, der Schutz der Privatsphäre und eine klare Rollenverteilung zwischen Zentralbanken und Geschäftsbanken müssen auch in einem digitalen Umfeld gewährleistet bleiben.“

Aktuell kein Handlungsbedarf – Bargeld wird nicht abgeschafft

Für Verbraucherinnen und Verbraucher würde sich an bestehenden Zahlungsmitteln zunächst wenig ändern: Der digitale Euro wäre eine zusätzliche Option – ähnlich bequem wie eine App, aber mit der Sicherheit von Zentralbankgeld. Private Dienstleister könnten weiterhin Wallets und Konten anbieten, doch die eigentlichen digitalen Euros wären ein direkter Anspruch gegenüber der Zentralbank, nicht gegenüber einer Bank. Dadurch soll das System besonders stabil und vertrauenswürdig sein.

Sobald es verbindliche politische Entscheidungen gibt, wollen Sparkassen und Volksbanken im Land ihre Kundinnen und Kunden aktiv informieren. Bis dahin bleibt der digitale Euro für NRW vor allem eines: ein großes europäisches Zukunftsprojekt, das vor Ort sehr aufmerksam begleitet wird – und über dessen konkrete Auswirkungen in den Filialen von Aachen bis Bielefeld erst in den kommenden Jahren Klarheit entstehen wird.

Rubriklistenbild: © Christian Ohde/imago

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