NRW
Eric irrt über 900 Tage durchs Ruhrgebiet: Jetzt hofft der Hund auf ein neues Leben
Straßenhund Eric aus Griechenland hat mehr erlebt als so mancher Mensch. Nach mehr als zwei Jahren wurde er in einer spektakulären Rettungsaktion gesichert.
Castrop-Rauxel – Wenn Eric sprechen könnte, hätte er vermutlich einiges zu erzählen. Von seinem Leben als Straßenhund in Griechenland. Oder seiner Zeit im Wald bei Castrop-Rauxel. Vor über drei Jahren kam Eric nach Dortmund (NRW). Dort wollte er eigentlich ein neues Leben anfangen. Doch anstatt bei seinen neuen Menschen heimisch zu werden, lebte Eric wieder unter freiem Himmel – für 974 Tage. In einer spektakulären Rettungsaktion wurde er jetzt gesichert. Auch in Gelsenkirchen gab es zuletzt ein dramatisches Hundeschicksal: Dort hatte jemand den kleinen Marvin einfach in einem Park ausgesetzt.
Hund lebt mehr als zwei Jahre alleine im Ruhrgebiet
Was war passiert? Vor mehr als zwei Jahren vermittelte der gemeinnützige Verein „Souls of Strays“ aus Oberhausen Hund Eric nach Dortmund. Zuvor hatte er in Griechenland auf der Straße gelebt. Wie der gemeinnützige Verein Tiernotruf berichtet, entwischte Eric seiner neuen Familie bereits drei Tage nach der Ankunft.
„Wie so oft passten seine Menschen einfach nicht auf“, schreibt Tiernotruf auf Facebook. Durch die fehlerhafte Sicherung sei Erics Leben in Gefahr gewesen, heißt es weiter. Was dann aber folgte, habe man bei Tiernotruf „so auch noch nicht erlebt.“ Der Hund war danach nicht ein paar Wochen oder Monate allein unterwegs, „sondern mehr als zweieinhalb Jahre“.
Warum genau Eric so lange alleine durch die Gegend irrte, sei nicht ersichtlich, berichtet der Tiernotruf. „Jede Hundesuchhilfe mit Falle hätte Eric retten können.“ Trotzdem passierte es nicht. Obwohl der Hund etwa bei Spaziergängern bekannt war. In die örtlichen Facebook-Gruppen, die über solche Tiersichtungen berichten, schaffte es Eric nach Informationen des Tiernotrufs auch nicht. Nicht immer kommen Tiere gut damit klar, plötzlich alleine unter freiem Himmel zu leben. Vor allem, wenn Tiere ausgesetzt werden, kann das schwerwiegende Folgen haben, sagt Tierpsychologin Ebru Yildirim.
Tierschützer beschließen, Hund Eric zu retten – mitten in der Nacht
Einer habe den Hund aber nicht aufgegeben, schreibt der Tiernotruf auf Facebook: Christian, ein Lokführer. Demnach lebte Eric wohl an einem Waldstück in der Nähe von Bahngleisen. Der Lokführer meldete den Hund letztendlich an der richtigen Stelle. „Eric war ihm nicht egal.“ Was dann folgte, war eine Rettungsaktion, die der Tiernotruf sogar in einem Video festgehalten hat. Darauf ist zu sehen, wie Eric, offenbar bei Nacht, in eine Hundefalle gelockt wird. „Es dauerte ganz fünf Tage, bis er das erste Mal hineinging“, heißt es in dem Video.
Ein ganzes Team hatte sich zu Erics Rettung zusammengeschlossen, darunter auch der Verein, der ihn vor mehr als zwei Jahren nach Deutschland vermittelt hatte. Auf dem Video sind zwei Personen zu sehen, die auf einem Bildschirm beobachten, wie der Hund um die Falle herumschleicht. Offenbar wurde an der Stelle eine Kamera installiert.
Eric ist in Sicherheit: „Du warst so lange alleine unterwegs“
Dann schnappt die Falle zu. Die beiden Personen in dem Video jubeln. Eric sitzt in der Falle. In der Dunkelheit tragen die beiden Retter das Tier zu einem Auto. Sie beruhigen das Tier: „Du warst so lange alleine unterwegs.“ Seine Rettung scheint der Hund jedenfalls gut aufgenommen zu haben. In dem Video ist zu sehen, wie er, offenbar einen Tag später, an einer Frau hochspringt und gekrault wird.
„Es ist immer wieder unglaublich zu sehen, wie schnell Hunde nach ihrer Flucht den Schalter umlegen können“, schreibt der Tiernotruf auf Facebook. Sicher gehe das nicht jedem Hund so. „Aber bei Eric auf jeden Fall.“ Er sei schon am ersten Tag seiner „Pflegemama“ hochgesprungen und konnte „verhältnismäßig gut an der Leine Gassi gehen, albern sein und Spaß haben“, heißt es auf Facebook. „So wie jeder andere glückliche Hund auch.
Tatsächlich wirkt Eric in dem Video fröhlich und aufgeschlossen. Er wälzt sich auf einem Bett und hält die Pfoten vors Gesicht, als wolle er verstecken spielen – diesmal aber, ohne auszubüxen. Der Hund lebt nun erst einmal bei seiner Pflegemama. Die bereitet ihn auf das Leben „in seiner eigenen Familie“ vor. (ebu)
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