Mehrtägiger Einsatz

140 Katzen aus einem einzigen Haus gerettet - „Der erste Fall, der so krass ist“

Tierheim Neuss im Großeinsatz: Ein schockierender Fall für die Tierschützer. Aus einem einzigen Haus wurden 140 Katzen gerettet, daneben auch Vögel, Fische und ein Hund.

Neuss – So einen Fall haben auch die Tierschützerinnen noch nicht erlebt. Nach und nach, innerhalb mehrerer Tage, retteten sie 140 Katzen aus einem einzigen Haushalt. 50 von ihnen sind nun im Tierheim Neuss-Bettikum untergebracht, verstört und unterernährt.

Im mit Mühe und Not freigeräumten Katzenzimmer liegen die geretteten Tiere am liebsten ganz nah auf- und nebeneinander.

„Sie sind alle viel zu dünn“, sagt Claudia Hachaj, die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins. Sie war dabei, als am Montag, 1. September, der Anruf vom Veterinäramt kam. Zusammen mit drei anderen Tierschutzvereinen fing sie in dem Haus die Katzen ein.

Feuerwehr musste bei der Rettung von 140 Katzen helfen

Das war gar nicht so leicht, erzählt sie. „Wir haben den ganzen Tag über Tiere gefangen, aber einige haben sich verkrochen, manche sogar in der Dachdämmung, sodass die Feuerwehr kommen musste.“ Nach und nach wurden weitere Tiere per Lebendfallen aus dem Haushalt geholt. Am Dienstag, 9. September, wurde die letzte Katze gefangen. Und auch einen Hund, etwa 90 Vögel und etliche Fische aus zwei Teichen konnten die Tierschützer retten.

Hachaj ist erschüttert: „Ich mache diesen Job seit 2007 und für mich war das der erste Fall, der so krass ist“, erzählt sie. „Eigentlich sind wir immer noch fassungslos“, heißt es auch in einem Facebook-Post des Tierheims. Doch der Alltag ist schon wieder halbwegs eingekehrt.

Durch ihre Vorgeschichte sind die Katzen an Gesellschaft gewöhnt und sollen nur mit Artgenossen vermittelt werden.

Bis auf einige Schnupfen-kranke Tiere, die in Quarantäne ausharren, sowie eine Mama mit ihren Babys, sind alle Katzen in einem Zimmer untergebracht. 30 auf einem Haufen – doch die Tiere sind es gewohnt, „die hängen alle aufeinander“, sagt Claudia Hachaj, „wo sonst eine Katze liegt, liegen bei denen fünf“. Sie sollen auch nur zu zweit vermittelt werden.

Bei denen, die nicht krank sind, kann es schon in der kommenden Woche mit der Vermittlung losgehen. Alle wurden bereits kastriert, sollen noch entwurmt und geimpft werden. Das und das viele Futter kosten. Der Tierschutzverein ist in Not und dringend auf Spenden angewiesen. Wer irgendwie helfen kann, findet auf der Website nicht nur bald die Katzen und schon jetzt andere Tiere, sondern auch Spendenhinweise.

Tierschützerin: Sie sind bei uns, dann kann man wieder ruhig schlafen

Claudia Hachaj ist erst mal froh, dass die Katzen nun im Tierheim Neuss-Bettikum sind: „Gottseidank sind sie jetzt bei uns, das ist immer viel wert zu wissen, man hat alle. Dann kann man wieder ruhig schlafen“, sagt sie. Nun könne für alle nach einem „schönen Für-Immer-Zuhause“ gesucht werden.

Im Tierheim Koppelweide wartet Kater Wallace auf seine neuen Menschen. Diese sollten sich mit seiner Erkrankung auskennen. Wallace wurde von seinen Besitzern zurück ins Tierheim gegeben, nachdem sie ihn auch von dort aufgenommen hatten.

Rubriklistenbild: © Tierheim Neuss-Bettikum/Claudia Hachaj

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