Hilfe für Mensch und Tier

„Wegschauen ändert nichts“ – Tierschützerin hilft in der Ukraine, wo sie kann

Gemeinsam mit ihrem Vater Wolfgang besuchte Judith Pein die Mahnwache an der Alten Post.
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Gemeinsam mit ihrem Vater Wolfgang besuchte Judith Pein die Mahnwache an der Alten Post.

Im Kriegsgebiet der Ukraine setzt sich Judith Pein für die Rettung von Tieren und Menschen ein. Trotz der Gefahren hat sie bereits über 50 Einsätze absolviert.

Drensteinfurt – Der Krieg in der Ukraine fordert unzählige Opfer, auch in der Zivilbevölkerung. Seit Beginn des Krieges engagieren sich viele Menschen auf unterschiedliche Weise: durch Mahnwachen, um die Erinnerung wachzuhalten, oder durch Geld- und Sachspenden. Einige begeben sich sogar direkt ins Kriegsgebiet, um vor Ort Leben zu retten.

„Wegschauen ändert nichts“ – Tierschützerin hilft in der Ukraine, wo sie kann

Eine von ihnen ist die Journalistin und Tierschützerin Judith Pein. Seit März 2022 war sie mehr als 50-mal in der Ukraine, um Tiere und Menschen zu retten. Auch mit in Stewwert lebenden Ukrainerinnen steht sie in regelmäßigem Kontakt. Am vergangenen Sonntag nahm sie an der Mahnwache vor der Alten Post teil, um über ihre Arbeit zu berichten – begleitet von ihrem Vater, Wolfgang Pein. Durch das Engagement seiner Tochter ist er emotional so stark mit der Situation in der Ukraine verbunden, dass er regelmäßig an der Mahnwache in Drensteinfurt teilnimmt.

„Ich kann diese Ungerechtigkeit gegenüber Tieren und Menschen einfach nicht ertragen“, sagt Judith Pein. „Schon als Kind war ich Tierschützerin.“ Damals führte sie Tierheimhunde aus und sammelte Unterschriften in der Grundschule. Ursprünglich war ihr Ziel als Tierärztin zu arbeiten, später entschied sie sich aber für ein Studium der Ethnologie, Germanistik und Philosophie in Münster, um Journalistin zu werden. Ihr Volontariat absolvierte sie beim Fernsehen, wo sie sich mit Tierschutzthemen einbrachte.

Wegsehen ist für Judith Pein keine Option

2011 arbeitete sie für die Tierrechtsorganisation Peta und deckte mit internationalen Undercover-Recherchen Fälle von Tierquälerei auf – oft unter gefährlichen Bedingungen. Von 2015 bis 2022 war sie als Tierschutz-Detektivin in der Sendung Hund, Katze, Maus aktiv. Gemeinsam mit anderen Journalisten gründete sie den Verein „Die Tierschutzdetektivin“ mit Sitz in Dortmund.

Wie schafft es eine Tierliebhaberin, so viel Leid zu ertragen? „Wenn ich weggucke, ändert sich nichts und ich will ja helfen. Ich war schon immer eine kleine Rebellin und habe den Mut zu kämpfen. Das gibt mir die Kraft, das Leid auszuhalten“, erklärt Pein. Sie wünscht sich, dass mehr Menschen aufmerksam sind und nicht wegsehen, wenn Tiere leiden – auch in der eigenen Nachbarschaft.

Für Judith Pein fühlt sich die Ukraine wie eine erweiterte Nachbarschaft an: „Wenn ich mich jetzt ins Auto setze, bin ich in 30 Stunden im Kriegsgebiet.“ Zum ersten Mal reiste sie am 27. Februar 2022 im Auftrag von Peta an die polnisch-ukrainische Grenze, um die ersten Rettungsschleusen aufzubauen. Seitdem war sie mehr als 50-mal in der Ukraine – mal als Journalistin, mal ehrenamtlich.

Fahrten an die Front: Einsätze unter Lebensgefahr

Ihr erster Anlaufpunkt ist stets Kharkiv, wo sich die Zentrale der ukrainischen Tierschutzorganisation Animal Rescue Kharkiv (ARK) befindet. Von dort aus geht es weiter in die Frontgebiete: nach Bachmuth, Chassiv Yar, Kupiansk und zuletzt, im November vergangenen Jahres, nach Konstantinowka.

Jeder Tag beginnt mit einer Einsatzbesprechung, bevor es mit Helm und Schutzkleidung auf eine dreieinhalbstündige Fahrt Richtung Süden an die Front geht. „Meist führt die Route durch Isjum, vorbei an den Massengräbern der Zivilisten. Auf den Straßen sieht man fast nur noch Militär, Hilfsorganisationen und die wenigen verbliebenen Anwohner.“ Animal Rescue verfügt über eine Sondergenehmigung für seine Rettungseinsätze. Je näher das Team der Front kommt, desto größer wird die Zerstörung.

„Sobald man aus dem Auto steigt, hört man das Grollen der Artillerie und den Einschlag von Bomben“, berichtet Pein, aber die größte Gefahr gehe von Raketen aus: „Wenn man ein Zischen oder Pfeifen hört, bleibt nur noch, sich sofort auf den Boden zu werfen.“

Im Einsatz an der Front: Judith Pein.

Obwohl sie sich der Gefahr bewusst ist, verdrängt sie den Gedanken daran, doch rückt die Front näher, steigt die Anspannung, jeder im Team achte hoch konzentriert auf kleinste Geräusche. In jüngster Zeit sind Drohnen neben Raketen und Artilleriegeschossen eine zusätzliche Bedrohung.

„Die machen mir schon verdammt Angst“, gesteht sie. „Drohnen töten auch Zivilisten – sie treffen gezielt einzelne Menschen oder Fahrzeuge.“ In solchen Situationen verlässt sie sich auf die Erfahrung der ukrainischen Tierschützer, allen voran Ruslan, der nicht nur mit dem Militär gut vernetzt ist, sondern auch ein Gespür für nahende Gefahr hat. „Die Tierschützer vor Ort – das sind für mich die wahren Helden“, betont sie.

Wenn Pein in der Ukraine ist, hilft sie dabei, Hunde und Katzen zunächst in die Tierklinik von Animal Rescue nach Kharkiv zu bringen, von wo aus sie nach der Behandlung auf die Tierheime von ARK und an liebevolle Familien in sicheren Gebieten verteilt werden.

Rettung für Tiere und ihre Besitzer

„Wir retten nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen“, sagt sie. Viele Menschen weigern sich, das Kriegsgebiet zu verlassen, weil sie ihre Tiere nicht zurücklassen wollen – denn Evakuierungstrupps nehmen keine Haustiere mit. Manche gehen, aber nur mit schlechtem Gewissen. Andere verlieren ihre Tiere in der Panik eines Angriffs. Ein Beispiel ist eine 86-jährige Frau, die sich erst zur Flucht in den sicheren Westen der Ukraine entschloss, nachdem Animal Rescue ihren Hund und ihre Katze in Sicherheit gebracht hatte.

Neben den Rettungseinsätzen organisiert Judith Pein auch Geld- und Sachspenden; besonders Spezialfutter, Medikamente und Anästhetika werden dringend benötigt. So kümmerte sich eine Frau allein um die zurückgelassenen Tiere ihres Dorfes und benötigte täglich acht Kilogramm Futter. Die Mitarbeiter von Animal Rescue bringen Futter, aber auch Lebensmittel, an die, die nicht fliehen wollen. Das Tierheim in Charkiw, in dem derzeit rund 800 erwachsene Hunde, 450 Welpen und 500 Katzen untergebracht sind, muss ebenfalls versorgt werden. Die Hoffnung ist groß, dass viele von ihnen nach dem Krieg wieder zu ihren Besitzern zurückkehren dürfen.

Einige Hunde konnte Pein nach Deutschland vermitteln. „Aber hier sind nur süße und unkomplizierte Hunde gefragt“, stellt sie klar.

Judith Pein will mit ihrer Arbeit auf das große Leid der Unschuldigen vor Ort aufmerksam machen und möglichst viele Menschen zum Helfen bewegen. „Jeder gespendete Cent kommt zu 100 Prozent den Tieren zugute“, versichert sie. Doch es geht ihr um mehr als Spenden: Sie will den ukrainischen Tierschützern zeigen, dass sie nicht allein sind.

Spenden

Wer durch Geldspenden helfen möchte, kann das unter IBAN: DE45 4015 4530 0044 4255 36
BIC: WELADE3WXXX Empfänger: Tierschutzdetektivin e.V.
Wer Sachspenden für Tiere oder Menschen übrig hat, kann sich per E-Mail an Judith Pein wenden: info@die-tierschutzdetektivin.de.

Die Teamschule Drensteinfurt hat im Vorfeld der Bundestagswahl eine Juniorwahl durchgeführt. Schüler der Klassen sieben bis zehn konnten am Donnerstag ihre Stimmen abgeben.

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