Roter Planet im Fokus
„Anzeichen, die sich mit frühem Leben leicht erklären lassen“ – Mars-Fund begeistert Forschende
Bedeutender Fund auf dem Mars: Ein Nasa-Rover stößt auf Gestein, das Forschende in Aufregung versetzt. Anzeichen für früheres Leben verstärken sich.
New York – Der Nasa-Rover „Perseverance“ hat im Jezero-Krater auf dem Mars Gesteinsformationen gefunden, die möglicherweise Hinweise auf frühere biologische Aktivität auf unserem Nachbarplaneten liefern könnten. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Joel A. Hurowitz (Stony Brook University) beschreibt in einer neuen Studie, wie der Rover in der sogenannten „Bright Angel“-Formation auf dem Mars organischen Kohlenstoff entdeckte, der mit besonderen Mineralstrukturen in Verbindung steht.
Bei der Erkundung des westlichen Randes des Jezero-Kraters untersuchte „Perseverance“ auffällige, helle Gesteinsaufschlüsse, denen das Rover-Team den Namen „Bright Angel“ gab. Mit seinen hochpräzisen Instrumenten entdeckte der Nasa-Rover in diesen Gesteinen submillimetergroße Knötchen, die mit Eisenphosphat- und Eisensulfidmineralien angereichert sind – wahrscheinlich Vivianit und Greigit.
Wichtiger Fund auf dem Mars: Ist das ein Hinweis auf früheres Leben?
Das Besondere: Diese Mineralstrukturen stehen in Verbindung mit organischem Kohlenstoff, der durch das „SHERLOC“-Instrument des Mars-Rovers entdeckt wurde. „Organisches Material wurde im Bright Angel-Gebiet in den Mudstone-Zielen Cheyava Falls, Walhalla Glades und Apollo Temple nachgewiesen“, schreibt das Forschungsteam in der Studie, die im renommierten Fachjournal Nature veröffentlicht wurde.
„Als der Rover ‚Bright Angel‘ erreichte und mit der Messung der Zusammensetzung der lokalen Gesteine begann, war das Team sofort beeindruckt davon, wie sehr sich diese von dem unterschieden, was wir zuvor gesehen hatten“, erinnert sich Michael Tice (Texas A&M University), ein Co-Autor der Studie. „Sie wiesen Anzeichen für chemische Kreisläufe auf, die Organismen auf der Erde zur Energiegewinnung nutzen können. Und als wir noch genauer hinschauten, sahen wir Dinge, die sich mit frühem Leben auf dem Mars leicht erklären lassen, mit geologischen Prozessen allein jedoch nur sehr schwer.“
Diese Dinge wurden auf dem Mars entdeckt – sie gehören dort nicht hin




Haben frühere Lebewesen auf dem Mars Spuren hinterlassen?
Tice erklärt weiter, dass „Lebewesen chemische Prozesse auslösen, die in der Natur ohnehin auftreten, wenn genügend Zeit und die richtigen Umstände gegeben sind. Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand erforderten einige der chemischen Prozesse, die diese Gesteine geformt haben, entweder hohe Temperaturen oder Leben, und wir sehen hier keine Anzeichen für hohe Temperaturen.“
In der Studie formulieren es die Forschenden etwas vorsichtiger: „Zusammenfassend lässt unsere Analyse den Schluss zu, dass die ‚Bright Angel‘-Formation Texturen, chemische und mineralische Eigenschaften sowie organische Signaturen aufweist, die als ‚potenzielle Biosignaturen‘ zu betrachten sind.“ Diese auf dem Mars gefundenen Merkmale seien mit biologischen Prozessen vereinbar und würden die Forschung dazu zwingen, sie „entweder unbelebten oder biologischen Prozessen zuzuordnen und weitere Daten zu sammeln, bevor sie eine Schlussfolgerung über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Leben ziehen können“.
Ganz eindeutig ist die Lage nicht: Gab es auf dem Mars einst Leben?
In der Studie diskutieren die Forschenden zwei Hypothesen für die Entstehung dieser Strukturen auf dem Mars. Letztendlich können sie jedoch nicht eindeutig beantworten, ob es tatsächlich Biosignaturen – also Hinweise auf Leben auf dem Mars – sind. Um das endgültig zu klären, wäre eine detaillierte Analyse der Proben in Laboren auf der Erde notwendig. Dafür hat der „Perseverance“-Rover bereits eine Probe namens „Sapphire Canyon“ aus der „Bright Angel“-Formation entnommen. Ob diese jedoch jemals zur Erde zurückgeholt wird, ist derzeit unklar, da das „Mars Sample Return“-Programm der Nasa in der Schwebe hängt.
Nicky Fox, die stellvertretende Administratorin der Nasa-Wissenschaftsmissionen, betont auf einer Nasa-Pressekonferenz: „Wir sind einen Schritt näher, um eine der größten Fragen der Menschheit zu beantworten: Sind wir alleine im Universum?“ Die Forscherin betont jedoch auch: Der Fund sei „nicht Leben selbst, aber es könnte ein Anzeichen von altem Leben sein. Wir wissen noch nicht genau, was es ist, aber wir werden nicht damit aufhören, es zu analysieren.“ (tab)
Rubriklistenbild: © NASA/JPL-Caltech
